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Mobbing in der Schule:Verstärkung suchen

Wichtig ist, dass sich Jugendliche Verstärkung suchen. Dass könne der Vertrauens-, der Klassen- oder auch ein neutraler Lehrer sein: "Man muss jemanden finden, dem man vertraut", sagt Scheithauer. Im besten Fall hat man einen Freund oder eine Freundin, die zu einem steht. "Die kann man zum Beispiel auch bitten, mit zum Lehrer zu kommen." Gibt es die nicht, können sich Jugendliche an eine Beratungsstelle wenden.

Das Problem: Unter Schülern herrsche oft ein Code of Silence, der es verbiete, sich einzumischen oder gegen Gleichaltrige vorzugehen. Damit sich in der Klasse wirklich etwas ändert, hilft die Zivilcourage Einzelner nicht immer weiter. Vielmehr muss eine neue Gruppendynamik entstehen. "Wichtig ist, dass man sagt 'Lass den in Ruhe', wenn ein Mitschüler angegriffen wird", erklärt Scheithauer. Um diese Haltung einzuüben, bietet er seit November 2011 das Präventionsprogramm "fairplayer.manual" an. Gedacht ist es für die Klassen 7 bis 9. Kern des Programms sind Rollenspiele und Übungen, die soziales Lernen fördern und den Klassenzusammenhalt stärken sollen. Lehrer werden dabei speziell von Psychologen geschult.

Manchmal wird jugendlichen Mobbingopfern ein Schulwechsel nahegelegt, oder sie wünschen sich das sogar selbst. Eine Lösung ist das aber nicht unbedingt. "Für die Täter ist das doch ein Belohnungssystem nach dem Motto 'Wir haben es geschafft'", sagt Schatz. Zudem ermöglichten die Medien schon seit geraumer Zeit eine neue Art von Zugriff. "Über Handy und Internet bin ich immer erreichbar, egal auf welcher Schule ich bin." Ähnlich sieht es Entwicklungspsychologe Scheithauer: "Das Problem ist, dass dem Schulwechsler immer ein bestimmter Ruf vorauseilt." In einigen Fällen kann es dennoch die richtige Lösung sein: Alex, der Betreiber der Seite "Schüler gegen Mobbing" wechselte die Schule - und fand neue Freunde. Die Lästereien und Drohungen hatten endlich ein Ende.

So unterschiedliche Formen Mobbing auch annehmen kann: Einen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt es nicht. Es gebe zwar Anzeichen dafür, dass Mädchen eher auf der Beziehungsebene mobben. Statistisch nachweisen lasse sich das aber nicht, sagt Scheithauer. Allerdings sei diese Mobbingform vor allem für Mädchen schlimm: "Mädchen haben im Vergleich zu Jungen intensivere Freundschaften und sind in kleineren Gruppen zusammen." In diesen Konstellationen sei es besonders schmerzhaft, ausgeschlossen zu werden.

Auch pauschale Täter- oder Opferpersönlichkeiten gebe es nicht, sagt Scheithauer. Trotzdem könne man sagen, dass viele Opfer sozial eher zurückgezogen sind, wenige Freunde haben und bestimmte Auffälligkeiten wie eine andere Religion oder einen Akzent aufweisen. Bei vielen Tätern zeige sich, dass sie selbst Gewalt im Elternhaus erlebt haben und diese Erfahrung nun weitergeben würden.