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Mangel an männlichen Grundschullehrern:Eingeteilt für den Sportunterricht

Denn selbst wenn es männliche Lehrkräfte an Schulen gibt, können Rollenmuster den Alltag beeinflussen. Das weiß auch Holger Vierke. Obwohl er Deutsch und Bildende Kunst als Schwerpunkte im Studium gewählt hatte, wird er für den Sportunterricht eingeteilt - weil er ein Mann ist. Nötige Kenntnisse dafür hat er sich mittlerweile angeeignet. "Viele Kolleginnen trauen sich die erforderlichen Sicherungsstellungen nicht zu, auch wegen des Alters."

So verfestigt sich in den Augen der Kinder die klassische Rollenteilung: Körpernahe und handwerkliche Fächer werden von den wenigen männlichen Lehrern erklärt, kreative und soziale Fächer dagegen eher von den Lehrerinnen. Das Sichtfeld der Kinder für eine spätere Berufswahl wird so eingeengt.

Und im Unterricht? Werden Jungen von Lehrerinnen anders behandelt als Mädchen? Oder sogar benachteiligt, wie manche Forscher nachzuweisen versuchten?

"Vielleicht wurden die Jungs vernachlässigt"

"Ich glaube nicht, dass es Jungs bei Lehrerinnen schwerer haben. Aber früher wurde halt mehr für die Mädchen getan, damit sie gleichberechtigt werden. Vielleicht wurden die Jungs dadurch vernachlässigt", meint Vierke. Es gibt zum Beispiel Mädchen-AGs an der Berliner Elbe-Grundschule, die Idee von speziellen Jungen-Gruppen wurden mangels Interesse wieder aufgegeben.

Natürlich: Eine Männerquote löst noch nichts. Und trotzdem hält Bildungsforscher Fantini sie in speziellen Fällen für gerechtfertigt: "Grundschulen ohne männliche Fachkräfte dürfen als Dauerzustand nicht zugelassen werden." Eine "Pädagogik der Vielfalt", die auch Gender-Fragen einbezieht, würde sonst unmöglich gemacht werden. Bei mindestens zwei Männern pro Grundschule müsste die Quote liegen, damit ein "Exotenstatus" vermieden werden könne, sagt Christoph Fantini. Darüber hinaus müssten Lehrerinnen und Lehrer schon in der Ausbildung auf die spezielle Geschlechtersituation im Beruf vorbereitet werden.

"Die Kinder kommen ja bereits mit bestimmten Vorstellungen in der Grundschule an", sagt Vierke. "Die meisten Jungs hier stammen aus Haushalten, wo Männlichkeit einen anderen Stellenwert genießt. Die Mütter kümmern sich lange Zeit liebevoll um das leibliche Wohl. Wenn das Kind dann in die Schule kommt, heißt es: Zack, jetzt machst du dein Ding." Mit diesem Bruch zwischen Elternhaus und Schule kämen viele Jungs schwer zurecht und verarbeiteten das Problem mit trotzigem Benehmen. Vierke hat deshalb auch einen "Väterabend" ins Leben gerufen, um beide Eltern bei solchen Problemen einzubeziehen.

Mit einem Problem müssen männliche Grundschullehrer aber vermutlich leben: sie stehen viel eher im Verdacht, sexuellen Missbrauch zu begehen. "Mein Vater war auch Lehrer. Sein erster Rat war: Bleib nie allein mit den Schülerinnen", sagt Vierke. Der Mann stehe da unter Generalverdacht, und man müsse höllisch aufpassen. "Meine Kolleginnen finden es zum Beispiel völlig normal in die Umkleidekabine der Jungs zu gehen. Umgedreht wäre das unvorstellbar."

Letztlich sei das Engagement das Entscheidende, ist sich Vierke sicher "Wenn man jederzeit ein Ohr für die Kinder hat und für die Eltern, ist die Quote nebensächlich." Nun muss er auf den Schulhof zur Pausenaufsicht und kann das gleich beweisen. Als er auf den Hof kommt, hängen sich sofort vier Mädchen an seine Arme. "Herr Vierke, wo können wir spielen?" Herr Vierke spielt mit, ist doch klar.

© SZ vom 25.03.2013/jobr
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