50 Jahre "Jugend forscht" Dozentin mit 16 Jahren

Carina Lämmle, beste interdisziplinäre Arbeit 2011

Manchmal sind Maschinen wie Kinder, sie zicken herum und kosten mehr Zeit als gedacht. "So ein Gerät wächst einem schon ans Herz", sagt Carina Lämmle und meint das Massenspektrometer der Hochschule Biberach. Ein halbes Jahr brauchte Lämmle, um das mehrere Hunderttausend Euro teure Gerät wieder dazu zu bringen, so zu messen, wie es sollte.

Damals war Carina Lämmle 16 Jahre alt und "hauptberuflich" in der elften Klasse am Gymnasium. Doch ihr Wissen um das Spektrometer, mit dem chemische Substanzen in ihre Bestandteile zerlegt werden und die Masse von Atomen gemessen wird, machte sie zur jüngsten Dozentin Deutschlands. Bei einem Besuch der Hochschule entdeckte Carina Lämmle ein Massenspektrometer, das verdächtig still war. Der einzige Mitarbeiter, der sich mit dem Gerät auskannte, hatte Biberach verlassen. Nicht nur Lämmle, auch der Dekan sah die Chance: Er erteilte der kundigen Besucherin den Auftrag, das Spektrometer wieder instand zu setzen und seinen Studenten den Umgang damit zu lehren.

Ihre Freude am Forschen erklärt Carina Lämmle so: "Ich mache ungern etwas, das schon viele davor gemacht haben." Sie will Dingen auf den Grund gehen, bei denen sich andere mit der Oberfläche zufriedengeben. Ein Lehrer hatte der Wissbegierigen Jahre zuvor das Schülerforschungszentrum Südwürttemberg empfohlen, wo junge Menschen gemeinsam Roboter bauen und naturwissenschaftliche Probleme lösen - oder auch nicht. Als Forscher müsse man lernen, mit Frustrationen umzugehen, sagt Lämmle. Nur eine von hundert Ideen funktioniere. Auch deshalb ist es für sie so wichtig, im Team zu arbeiten.

"Das ist wie ein Familientreffen"

Es bedeutet der 20-Jährigen viel, nicht in die Schublade gesteckt zu werden zu den einsamen, verschrobenen Wissenschaftlern. "Wer beim Jugend-forscht-Wettbewerb mitmacht, ist kein Nerd aus dem Keller, der nicht über seinen Tellerrand hinausschaut." Sonst würde sie nicht weiterhin zu den Regional- und Bundeswettbewerben von Jugend forscht fahren: "Das ist wie ein Familientreffen." Auch ihr erfolgreiches Jugend-forscht-Projekt verwirklichte sie im Team: Gemeinsam mit Felix Engelmann und Simeon Völkel verbesserte Lämmle die Funktion eines Gegenstromchromatographen, mit dem Chemiker Stoffmischungen trennen - Lämmle hatte so die Inhaltsstoffe einer Zwiebel untersucht.

Ihre Eltern haben keine naturwissenschaftlichen Berufe. Den Rat, wie es mit einem Projekt oder ihrer Karriere weitergehen soll, holt sich Lämmle von Experten des Schülerforschungszentrums und von Jugend forscht. "Dieses konstruktive Feedback motiviert ungemein - und fehlt oft in der Schule, in der nur Noten zählen." Nun studiert Lämmle im vierten Semester Chemie an der TU München. Gerne würde sie danach weiter an der Uni forschen, aber: Ein interessantes Projekt mit Habilitationsstelle sei schwer zu bekommen. Da sei ein Job in der Wirtschaft nicht nur lukrativer, sondern auch langfristig sicherer. Das sagt sie mit Bedauern, denn: In einer Firma wäre sie nicht frei, zu erforschen, was noch keiner vor ihr erforscht hat.