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Bildungsvergleich:Welche Länder in der Bildung vorne liegen und welche abstürzen

Tablets im Schulunterricht

Unterricht in Deutschland: In Mathematik und Naturwissenschaften blieben die Ergebnisse im IQB-Vergleich stabil.

(Foto: dpa)

Ein Viertel der Neuntklässler in Deutschland scheitert an Mathe - aber wo sind es besonders viele? Wo ist der Einfluss des sozialen Herkunft am größten? Die neue IQB-Studie in Grafiken.

Zum zweiten Mal in Folge haben die Kultusminister die Fähigkeiten der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in Mathematik und den Naturwissenschaften überprüft. Alles in allem, so das Fazit, sind die Ergebnisse im so genannten IQB-Bildungstrend stabil. Die Schulpolitiker werten das als Erfolg - immerhin ist die Schülerschaft in den sechs Jahren seit dem letzten Test deutlich bunter geworden: Es sitzen mehr Kinder mit Migrationshintergrund oder besonderem Förderbedarf in den Klassen. "Den Schulen in Deutschland ist es gelungen, mit den großen Herausforderungen der vergangenen Jahre gut umzugehen", meinte daher etwa Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU).

Trotzdem gibt es weiterhin große Unterschiede zwischen den Ländern - allen Bemühungen um vergleichbarere Bildungschancen in ganz Deutschland zum Trotz. Und in einigen Ländern haben sich die Schülerleistungen teils stark verschlechtert. Die Ergebnisse im Überblick.

Besondere Sprengkraft hat die Frage, wie viele Schüler den von den Kultusministern festgelegten Mindeststandard nicht erreichen - also in ihrer weiteren Bildungs- und Berufslaufbahn besonders gefährdet sind. Im Bereich Mathematik kommt im aktuellen IQB-Test deutschlandweit ein Viertel der Jugendlichen nicht auf das entsprechende Mindestniveau. Allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden. Vor allem in den Stadtstaaten scheiterten besonders viele Jugendliche an den Matheaufgaben, im Bremen sind es sogar 40 Prozent.

Spiegelbildlich ist das Ergebnis für den Anteil der Schülerinnen und Schüler, die mindestens den Regelstandard erreichen, also so gut in Mathematik sind, wie es die Kultusminister erwarten, oder sogar besser. Hier stehen Sachsen, Bayern und Thüringen ganz oben.

Von Interesse ist nicht nur, wie die Länder jetzt dastehen - sondern auch, ob sie sich verbessert oder verschlechtert haben in den sechs Jahren seit der letzten Messung. Im Bundesschnitt ist der Anteil der Schüler, die den Regelstandard erreichen oder sogar besser abgeschnitten haben, zwischen 2012 und 2018 kaum nennenswert gestiegen - um 0,5 Prozentpunkte von 44,3 auf 44,8 Prozent. Länder wie Bayern oder Baden-Württemberg scheinen zwar zugelegt zu haben. Die Verbesserungen sind aber, wie die Bildungsforscher des IQB festhalten, nicht signifikant. Das heißt: Die Werte könnten ebenso gut einem Zufall oder einem Messfehler geschuldet sein und nichts über die tatsächlichen Veränderungen der Schülerleistungen aussagen.

In einer Reihe von Ländern ist der Anteil der Schüler, die mindestens den Regelstandard erreichen, dafür signifikant gesunken - also in einem Maße, das sich nicht mit zufälligen Schwankungen erklären lässt. Dazu zählen Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Die Länder kamen teils aber auch von einem hohen Niveau.

Immer wieder wird beklagt, dass der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg zu hoch ist. Ein Maß, mit dem die IQB-Forscher ermitteln, wie die Testergebnisse der Schüler mit dem sozialen Status ihrer Eltern zusammenhängen, ist der so genannte soziale Gradient. Die Interpretation dieses Wertes ist relativ technisch: Der soziale Gradient gibt an, um wie viele Punkte sich ein Schüler im Test im Schnitt verbessert, wenn sich der Index, mit dem die Forscher die Herkunft messen, um eine Standardabweichung steigt. Je höher der soziale Gradient, desto stärker sind Herkunft und Bildungserfolg gekoppelt. Im Mittel liegt er in Deutschland für die Mathematikkompetenz bei 39 Punkten - allerdings wieder mit deutlichen Unterschieden zwischen den Ländern.

Die Frage nach der Bildungsgerechtigkeit hat dabei nicht unbedingt damit zu tun, wie viele besonders gute oder besonders schwache Schüler es in einem Bundesland gibt. In Berlin zum Beispiel, wo viele Schüler den Mindeststandard verfehlen, ist der Einfluss der sozialen Herkunft besonders groß - es gelingt also offenbar eher schlecht, vor allem den Jugendlichen aus armen und formal weniger gebildeten Familien genügend Mathekenntnisse beizubringen. Aber auch in Sachsen, wo es wenige schlechte und viele gute Schüler gibt, ist der Zusammenhang zwischen Herkunft und Mathekompetenz groß. Dass es relativ viele leistungsstarke Schüler gibt, heißt also noch nicht, dass es dem Freistaat besonders gut gelänge, den Einfluss des Elternhauses auf die Bildung einzudämmen. In Bayern dagegen, wo es ebenso wie in Sachsen relativ wenige schwache Matheschüler gibt, ist der soziale Gradient dagegen eher niedrig.

Sind die Bildungssysteme der Länder in den vergangenen Jahren sozial gerechter geworden? Auch das hat die IQB-Studie untersucht. Besonders stark gefallen ist der soziale Gradient in Brandenburg - um 15 Punkte von 49 Punkten im Jahr 2012 auf jetzt 34. Damals hing der Erfolg der Neuntklässler im Mathe-Test überdurchschnittlich stark vom Elternhaus ab, inzwischen rangiert Brandenburg in dieser Hinsicht unter dem Bundesschnitt. Brandenburg ist das einzige Bundesland, in dem der Einfluss der sozialen Herkunft signifikant zurückgegangen ist. In Rheinland-Pfalz dagegen ist er signifikant gestiegen. Die Veränderungen der übrigen Bundesländer sollten nicht überinterpretiert werden, es könnte sich auch um Zufallsschwankungen handeln. Insgesamt macht Deutschland in Sachen Bildungsgerechtigkeit zumindest in der IQB-Untersuchung aber keine Fortschritte. Die Forscherinnen und Forscher haben auch den Einfluss der Herkunft auf die Leistungen in Biologie, Chemie und Physik untersucht. Die Ergebnisse sind weitgehend gleich.