Integration an Schulen Das Problem der sozialen Durchmischung

Die Studie des SVR spricht auch von der mangelnden sozialen Durchmischung an Schulen. Was ist damit gemeint?

Ideal wäre es, wenn in jeder Klasse Kinder aus allen sozialen Schichten und mit den unterschiedlichsten Hintergründen aufeinandertreffen würden. Das ist aber kaum der Fall. Gut verdienende und gebildete Eltern ziehen teilweise lieber um, als das Kind auf die Schule im potenziellen Problembezirk zu schicken. Die Lösung für dieses Problem lautet: Schulen müssen ungeachtet ihres Standorts eine qualitativ hochwertige Bildung anbieten. Der Weg dahin ist zwar weit, aber für mich ist das das klare Fernziel.

Sie würden also Eltern nicht zwingen, ihre Kinder an diese oder jene Schule zu schicken, damit die Verteilung gleichmäßiger wird?

Nein, das würde nichts bringen. Man muss zusehen, dass gerade die Schulen in Brennpunkten in jeder Hinsicht top ausgestattet sind. Dann könnte sich die Frage der mangelnden sozialen Durchmischung im Klassenzimmer mittelfristig von alleine klären. Weil Eltern gar keinen Grund mehr hätten, eine bestimmte Schule zu meiden. Etwas plakativer: Wir brauchen ein Bildungssystem, in dem es nicht darauf ankommt, wo jemand herkommt, sondern wo er hin will. In so einem System wäre es dann im Prinzip auch egal, ob in einer Klasse besonders viele Kinder mit türkischen Wurzeln sind und viele Kinder, deren Eltern Hartz IV bekommen. Jedes Kind würde ideal gefördert.

Müssen Schulen kompensieren, was die Eltern nicht leisten können?

Absolut. Nur so hat jeder Jugendliche gleiche Chancen, später im Berufsleben etwas zu erreichen.

Mit Teach First Deutschland versuchen Sie, dazu einen Beitrag zu leisten. Ist es nicht eine Bankrotterklärung des staatlichen Bildungssystems, wenn es Organisationen wie die Ihre braucht?

So weit würde ich nicht gehen. Aber eigentlich müsste es natürlich das Ziel von Teach First Deutschland sein, dass wir langfristig nicht mehr gebraucht werden. Ich denke, man darf nicht so sehr verliebt in ein Problem sein, dass man es nicht mehr richtig beheben will. Ich glaube aber nicht, dass alle Probleme gelöst wären, wenn wir an jede Schule einige unserer Fellows schicken würden. Aber wir können unterstützen, vor allen Dingen solche Jugendliche, die es sonst auf dem Weg zum Schulabschluss schwer hätten. Und das sind speziell solche mit Fluchtgeschichte und aus schwierigen sozialen Milieus.