Hochschulen:Es gibt drei Ursachen für das Chaos

Was einfach klingt, dürfte heikel werden; es gibt drei Ursachen, die zum Chaos geführt haben: Da ist der Wettbewerb unter den Hochschulen, um Geld, Studenten und Aufmerksamkeit. Da will man sich gern abheben mit seinem Angebot. Hinzu kommt: Mehr als die Hälfte eines Jahrgangs will heute studieren, oft mit Berufszielen, die mit Wissenschaft wenig zu tun haben, eine Art Lehre plus. Hochschulen bedienen hier die Nachfrage.

Die dritte Ursache ist, wie so oft, die Bologna-Reform. Ein früherer HRK-Funktionär, der den Trend über die Jahre beobachtet hat, beschreibt das so: "Jeder Professor hat seinen fachlichen Garten, den er mit Eifer bestellt. Als er in sechs Semestern Bachelor nur noch ein paar Früchte des Gartens einbringen konnte, wehrte er sich - und so wurden oft aus einem Fach viele Detail-Studiengänge gemacht." Ein Professor bestätigt: Wer einen Studiengang zu seinem Lieblingsgebiet haben wolle und Druck mache, der habe meist Erfolg.

"Für Studieninteressierte wie für Arbeitgeber muss klar erkennbar sein, welches Profil in einem Studiengang erworben werden kann", schreibt der Wissenschaftsrat. Was ein Bachelor in "Humanities, the Arts, and Social Thought" lernt, muss ein Personalchef oder anderer Professor wohl erst googlen. Auch an den vielen Studienabbrechern - jeder Dritte im Bachelor - könnte das Chaos mitschuldig sein. Weil Bewerbern oft nicht klar wird, was in ihrem Studium steckt.

© SZ vom 19.10.2015/sks
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