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Fake-Unis:Ich habe den Abschluss ja für Lebenserfahrung erhalten ...

Fake-Abschlüsse in Karrierenetzwerken:

Fake-Abschlüsse in Karrierenetzwerken: Nicht unter jedem Doktorhut steckt eine große Leuchte.

(Foto: Suad Kamardeen / Unsplash)

Einen Ehrendoktor per Post, einen Master für 499 Dollar: Erstaunlich viele Menschen hübschen ihren Lebenslauf mit falschen Abschlüssen auf - und geben sie auch noch völlig ungeniert in Karrierenetzwerken wie Xing an.

Zweimal muss man sich in dem mittelständischen Lackiertechnik-Unternehmen durchstellen lassen, dann hat man den Vertriebsleiter am Apparat, also den Mann, der ausweislich seines Profils im Karrierenetzwerk Xing die Rochville University abgeschlossen haben will. Eine interessante Hochschule, welche Erfahrung er mit ihr gemacht habe?

Gute, sagt der Mann knapp. Er habe den Abschluss ja für Lebenserfahrung erhalten, Master of Life Experience, was in den USA ein gängiges Graduierungsverfahren sei. Ob er auch Vorlesungen besucht habe? Prüfungen geschrieben? Schweigen. Er will jetzt erst mal Name, Funktion, Anschrift des Anrufers haben, zum Mitschreiben, bitte. Er müsse wieder an die Arbeit, das Studium sei sehr gut gewesen. Auf Wiederhören.

Die Alma Mater des Mannes gilt als sogenannte Titelmühle, die Hochschulgrade gegen Geld vergibt. Der New York Times zufolge steckte eine pakistanische Softwarefirma hinter der Rochville University. 2012 wurde die angebliche Hochschule per Gerichtsbeschluss geschlossen. Im Xing-Profil des Vertriebsleiters aus Baden-Württemberg findet man sie aber weiterhin. Und nicht nur bei ihm.

Die Karrierenetzwerke sind voll von Absolventen, die mit falschen Diplomen ihren Lebenslauf aufhübschen. Was früher allenfalls findigen Personalabteilungen aufgefallen wäre, passiert nun ganz ungeniert und öffentlich. Da ist ein Pferdetrainer mit Abschluss der Breyer State University, der der Bundesstaat Alabama 2008 die Lizenz entzogen hatte. Da ist der Prokurist aus dem Ruhrgebiet, der an der ähnlich obskuren American World University studiert haben will. Oder der selbständige Unternehmensberater, der sogar einen Ehrendoktor der St. Regis University aus Liberia führt, ebenfalls eine Einrichtung mit zweifelhaftem Leumund. Schon 2004 sah sich die liberianische Botschaft in Washington zu der Klarstellung genötigt, dass die Universität keinen legalen Status im Land habe. Ein paar Jahre später wurden die Betreiber in den USA zu Haftstrafen verurteilt, sie sollen mit Fake-Abschlüssen Millionen umgesetzt haben. In Karrierenetzwerken taucht sie heute noch in Profilen auf.

Die ehrwürdige St. Regis University - eine Titelmühle? Als man den Berater am Telefon damit konfroniert, schmunzelt er, jaja, schon möglich, sagt er. Aber zu seiner Zeit sei noch alles in Ordnung gewesen. Was danach passierte, könne er nicht beurteilen. Und dann erzählt er, wie er zu seinem Doktor kam: Er habe eine Dissertation nach Monrovia geschickt, aber keine Lust gehabt, die Urkunde persönlich abzuholen. Die Einrichtung habe ihm daher einfach einen Ehrendoktor per Post geschickt.

Hätte der Vertriebsleiter des Lackierunternehmens nicht so schnell zurück an die Arbeit gemusst, man hätte gerne mit ihm noch über Chester Ludlow gesprochen. Laut der Xing-Profile studierten beide dasselbe Fach zur etwa selben Zeit, zwei Kommilitonen also. Chester Ludlow reichte im Mai 2009 einen Lebenslauf bei der Uni ein und überwies 499 Dollar, in der Woche darauf kam ein Expresspaket aus Dubai, darin Textbücher, ein Aufkleber der Uni und das gewünschte MBA-Diplom. Nur ist Chester Ludlow bloß ein Mops aus Vermont, den sich eine Verbraucherorganisation als Maskottchen nahm. Er gilt seither als einer der ersten Hunde mit Masterabschluss.

© SZ vom 24.02.2020/berk
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