Flüchtlinge:Deutsche bewerten Bildungsniveau von Flüchtlingen als niedrig

Eingliederung von Flüchtlingen in Arbeitsmarkt

Vor der Eingliederung in den Arbeitsmarkt steht das Erlernen der deutschen Sprache.

(Foto: Marijan Murat/dpa)
  • Für das Ifo-Bildungsbarometer wurden 4000 Personen zu ihrer Meinung über den Bildungsstand von Flüchtlingen befragt.
  • Drei Viertel der Befragten schätzt das Bildungsniveau der Flüchtlinge als eher niedrig ein.
  • Sie stehen einigen Integrationsmaßnahmen für den Arbeitsmarkt skeptisch gegenüber, die Integrationsmaßnahmen bei Kindern werden weitgehend unterstützt.

Vor einem Jahr stand die Unterbringung und Versorgung der ankommenden Flüchtlinge im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Mittlerweile hat sich der Fokus verschoben: Wie schnell können die Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea in die deutsche Gesellschaft und den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden? Kann jemand nach ein paar Monaten Deutschkurs schon hier arbeiten?

Die Mehrheit der Deutschen ist skeptisch, drei Viertel der Bevölkerung schätzt laut dem aktuellen Bildungsbarometer vom Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) das Bildungsniveau der Flüchtlinge als eher niedrig an. Dementsprechend glaubt mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) auch nicht, dass die Flüchtlinge dabei helfen werden, den Fachkräftemangel der deutschen Wirtschaft zu verringern.

Allerdings hängt die Einschätzung des Einzelnen auch von seinem eigenen Bildungsabschluss ab. So schätzen 82 Prozent der Personen mit einem Hauptschul- oder keinem Schulabschluss das Bildungsniveau der Flüchtlinge als zu niedrig ein. Bei Personen mit Abitur ist der Anteil mit 73 Prozent geringer.

Integrationsmaßnahmen werden unterschiedlich bewertet

Ein Reformvorschlag zielt darauf ab, dass der Staat die Ausbildungskosten eines Flüchtlings zu Teilen übernimmt, um den Unternehmen Anreize zu schaffen, die Neuankömmlinge einzustellen. Die Meinung der Deutschen zu diesem Vorschlag ist gespalten: 45 Prozent sind dafür, 41 dagegen. Eine verkürzte Ausbildung für Flüchtlinge, um einen zügigen Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen, wird ähnlich uneinig bewertet. 38 Prozent sprechen sich dafür aus, 44 Prozent sind dagegen. Mehrheiten finden sich für staatlich finanzierte verpflichtende Sprachkurse (75 Prozent dafür, nur 18 Prozent dagegen).

Deutlich positiver bewerten die Befragten die Bildungschancen der ankommenden Kinder. Studien haben bereits ergeben, dass Kinder gute Chancen haben, die Sprache schnell zu lernen, wenn sie früh Kontakt mit deutschsprachigen Kindern haben. Deshalb finden sich auch deutliche Mehrheiten zur verstärkten Förderung von Flüchtlingskindern. So stimmen 81 Prozent der Befragten für eine möglichst gleichmäßige regionale Verteilung auf die Schulen und 61 Prozent plädieren für zusätzliche Bundesmittel für Sozialarbeiter und Sprachlehrer an Schulen. Eine Mehrheit der Befragten ist auch mit einer steuerlich finanzierten Kindergartenpflicht für Flüchtlingskinder ab drei Jahren einverstanden.

Über das Ifo-Bildungsbarometer 2016

Das Ifo-Bildungsbarometer hat in einer repräsentativen Meinungsumfrage mehr als 4000 erwachsene Personen in Deutschland zur Flüchtlingsintegration durch Bildung befragt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema