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Der Referendar über Ferien:Schüler wollen auch in den Ferien betreut werden

E-Mails - sie bringen mich direkt zum nächsten Aspekt. Erleichtern sie zwar in gewisser Weise die Kommunikation, sind sie doch zugleich auch ein Fluch. Im Zeitalter des mobilen Internets habe ich das Smartphone stets griffbereit und bearbeite dienstliche Emails sowohl zu Hause am Schreibtisch als auch auf der Grillfeier mit Freunden oder vom sonntäglichen Kaffeekränzchen aus - vielleicht mag das auch einfach mein Fehler sein? Freilich handelt es sich hierbei nicht um ein ausschließliches Lehrerproblem. Aber viele meiner Freunde mit einem klassischen Nine-to-five-Job kennen dieses Phänomen nicht. Wenn sie Urlaub haben, haben sie Urlaub und ärgern sich erst im Anschluss daran über den Haufen Mails, der sich während ihrer Abwesenheit angestaut hat.

Kommunizieren und korrigieren

Ich stehe während der Ferien beispielsweise in regem Kontakt mit meiner Seminarlehrerin, da es wegen eines noch anstehenden Schulprojekts viel zu klären gibt. Darüber hinaus tausche ich mich immer wieder auch mit meiner Kollegin aus, um noch offene Detailfragen der angesprochenen Schulaufgabe zu besprechen. Außerdem wollen ein paar Schüler betreut werden, da sie nach den Ferien Referate und Präsentationen halten und es deshalb immer wieder Fragen zu beantworten gibt. Sie schicken mir die Entwürfe der Präsentationen und Handouts, die ich verbessere und kommentiere und samt meiner Anmerkungen an sie zurück schicke. Wenn ich Glück habe, pflegen sie alles ordentlich ein, ansonsten werden noch ein paar Mails hin und her geschickt, bis das gewünschte Endergebnis erreicht ist.

Nebenher muss das Alltagsgeschäft eines Lehrers erledigt werden. Ich korrigiere die Stegreifaufgabe meiner 8. Klasse Französisch und entwerfe weitere Klassenarbeiten für meine Spanischklassen. Darin bin ich zwar schon schneller als zu Schuljahresbeginn, aber immer noch viel zu langsam, so dass die Ferientage ins Land gehen, ohne dass richtiges Ferienfeeling aufkommen mag.

Gen Ferienende setze ich mich dann wieder an die Unterrichtsvorbereitung. Zwei Wochen sind vergangen, in denen ich natürlich auch mit einem Buch in der Sonne lag oder die ein oder andere Nacht mit Freunden um die Häuser ziehend zum Tag gemacht habe. Das schlechte Gewissen nach dem Aufwachen am nächsten Mittag hat aber nie lange auf sich warten lassen, so dass die liegen gebliebene Arbeit eben tagsdrauf erledigt werden musste. Dass die Sonne draußen bei nahezu 30 Grad strahlte, merkte ich kaum - hatte ich doch die Jalousien herunter gelassen, um mich von der Außenwelt abzuschotten.

Wie viele der 14 Wochen Ferien den Namen nun tatsächlichen verdienen, überlasse ich als Geisteswissenschaftler den Statistikern. Sicherlich wird es nach dem Referendariat und mit zunehmender Erfahrung auch besser werden. Aber vorerst starte ich kaum gebräunt und semi-erholt in den letzten Block des Schuljahres und freue mich bereits jetzt auf die Sommerferien, die hoffentlich Ferien sein werden, wie ich sie aus Kindheitstagen kenne. Strand, Fußball und die verschimmelte Brotzeitbox inklusive.

© SZ.de/mkoh/lala
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