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CSU-Generalsekretär Scheuer:Uni findet bei erster Prüfung keine Plagiate in Scheuers Arbeit

Der Plagiatsverdacht gegen Andreas Scheuer hat sich nach einer ersten Prüfung der Uni Prag nicht erhärtet. Doch Aufatmen kann der CSU-Generalsekretär nicht: Die Hochschule will nun für weitere Untersuchungen von Scheuers Dissertation mit einem deutschen Plagiatsexperten zusammenarbeiten.

Andreas Scheuer dürfte seinen Doktortitel weiter führen. Die Plagiatsvorwürfe gegen den CSU-Generalsekretär haben sich bei einer ersten elektronischen Prüfung seiner Promotionsarbeit nicht erhärtet. Das teilte die Karls-Universität in Prag am Dienstag mit. Die Arbeit aus dem Jahr 2004 sei dazu digitalisiert worden und mit zwei Plagiatprogrammen (Urkund und Theses) geprüft worden. "Diese Analysen der vorliegenden Dissertation haben keine Anzeichen eines Plagiats oder einer Übereinstimmung mit Internet-Quellen nachgewiesen", hieß es.

Plagiatssoftwares sind nicht unumstritten, da sie häufig nur wortgleiche Plagiate erfassen, nicht aber sinngemäße. Nach Einschätzung von Experten können sie deshalb die Prüfung durch eine Fachkommission nicht ersetzen.

Scheuer verzichtet bereits seit vergangener Woche auf das Führen seines Doktortitels. Zu hoch schlugen die Wellen, als bekannt wurde, dass sein in Tschechien erworbenes "kleines Doktorat" in weiten Teilen Deutschlands nicht mehr als ein Master-Abschluss zählt. Einzig Bayern und Berlin erkennen den "Doktor filozofie" als richtigen Doktor an, allerdings auch nur, wenn er vor 2007 erworben wurde.

Dass das qualitative Niveau von Scheuers Doktorarbeit nicht dem entspricht, was hierzulande bei Dissertationen üblich ist, war bereits seit längerem bekannt. In der vergangenen Woche hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) dann die grundsätzliche Kritik an der Arbeit um den Plagiatsverdacht erweitert.

Das Blatt berief sich dabei auf fünf heikle Stellen, die Plagiatsjäger im Internet recherchiert hatten. So übernahm Scheuer für seine Dissertation mit dem Titel "Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns" unter anderem mehrere Versatzstücke aus einer Veröffentlichungen der Bundeszentrale für politische Bildung - teilweise wortwörtlich und inklusive eines verräterischen Fehlers. Im Original wie in Scheuers Doktorarbeit ist vom früheren bayerischen Ministerpräsidenten "Franz-Josef Strauß" die Rede. Tatsächlich wird der Vorname des verstorbenen CSU-Urgesteins aber ohne Bindestrich geschrieben.

Am Montag hatte Scheuer bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz die Medien für ihre Berichterstattung in der Sache kritisiert und angekündigt, die Uni Prag um eine Überprüfung seiner Promotionsarbeit zu bitten. Rückendeckung bekam er von Ministerpräsident Horst Seehofer, der betonte: "Mein Generalsekretär hat meine totale Unterstützung."

CSU-Vorstandssitzung

Gestern hat CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer seinem Generalsekretär Andreas Scheuer den Rücken gestärkt.

(Foto: dpa)

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Prager Hochschule das Prüfverfahren allerdings bereits auf eigene Inititaive hin eingeleitet. Petr Jüptner, der Leiter des Instituts für politologische Studien, betonte, die Uni strebe in dieser Sache "maximale Transparenz" an. So muss Scheuer weiter zittern, denn seine Doktorarbeit soll weiter untersucht werden.

Um den Vorwürfen nachzugehen, werde die Universität mit dem Ombudsmann der deutschen Wissenschaft, dem Bonner Juraprofessor Wolfgang Löwer, zusammenarbeiten, hieß es von Hochschulseite. Sollten sich die Zweifel an der Arbeit daraufhin erhärten, werde die Ethik-Kommission der Universität weitere Schritte unternehmen.