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Baden-Württemberg:Wo es zum Schulabschluss einen Ausbildungsplatz dazu gibt

Lehrlingsausbildung der Handwerkskammer

Werkrealschulen, die mit ihren Schülern einen Ausbildungspakt schließen, geben ihnen eine Lehrstellengarantie.

(Foto: Waltraud Grubitzsch/DPA)

Einige Schulen in Baden-Württemberg machen ihren Schülern dieses Angebot. Dafür müssen die Jugendlichen Durchhaltevermögen beweisen.

Seinen künftigen Arbeitgeber hat Kevin Ulbrich in der achten Klasse kennengelernt. An einem Nachmittag waren Firmenvertreter in der Pfingstbergschule am Rand von Mannheim zu Gast, um ihr Ausbildungsangebot vorzustellen. Kevin Ulbrich absolvierte dann sein erstes Praktikum in einem Betrieb für Kälte- und Klimatechnik. "Das hat mir so gut gefallen, dass ich gleich mehrere gemacht habe." Im Sommer wird er die Schule abschließen, den Ausbildungsvertrag hat er schon in der Tasche. Bei seinem Praktikumsbetrieb, als Mechatroniker für Kältetechnik.

In der achten Klasse hat der Mannheimer einen Vertrag unterschrieben wie die meisten seiner Mitschüler. Einen Ausbildungspakt, in dem sich die Schule verpflichtet, ihm eine passende Ausbildungsstelle anzubieten - wenn er eine Reihe von Pflichten erfüllt: keine unentschuldigten Fehlzeiten, im Halbjahreszeugnis vor dem Abschluss mindestens eine Drei in Mathe und Deutsch. Außerdem muss der Schüler in zwei Jahren 180 Stunden gemeinnütziger Arbeit vorweisen und in seiner Schulzeit sieben Praktika absolvieren.

Ganz schön viel verlangt? Neuntklässler Jan Schumacher findet das nicht. Beim Schreiben von Bewerbungen bekomme man ja Unterstützung. Der 14-Jährige hat vier der sieben Praktika hinter sich - und seinen Traumjob schon gefunden. In der Forstwirtschaft möchte er später arbeiten.

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Die Pfingstbergschule ist eine Werkrealschule, so heißt in Baden-Württemberg die Hauptschule, seit Jugendliche dort auch die Mittlere Reife machen können. Viele dieser Schulen bundesweit haben mit Problemen zu kämpfen: sinkende Schülerzahlen und Absolventen, die bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auf Ablehnung stoßen, weil sie mit dem Stempel Hauptschule versehen sind.

Georg Busch ist für die Berufsorientierung und damit auch für den Ausbildungspakt zuständig. Die Pfingstbergschule gehört dem Netzwerk "Starke Schule" der gemeinnützigen Hertie-Stiftung an, in dem sich Real- und Hauptschulen austauschen. Bei der Reise zu anderen Mitgliederschulen war der Lehrer auf die Gemeinschaftshauptschule in Gevelsberg zwischen Dortmund und Wuppertal gestoßen. Die hatte bereits einen Ausbildungspakt. Buschs erster Gedanke: "Wie soll das gehen?" Später wurde ihm klar: Das will er an seiner Schule auch umsetzen.

Bevor die ersten Schüler 2013 den Pakt unterschreiben konnten, musste Busch Betriebe suchen, die sie als Praktikanten und Azubis einstellen würden. Der 43-Jährige ist ein Mensch, der seine Arbeitszeit auch mal in die Abende ausdehnt. "Zwei Jahre bin ich Klinken putzen gegangen", erzählt er. "Am Anfang war das sehr mühselig." Große Unternehmen, auch die Stadtverwaltung, winkten ab, weil sie keine Schule bevorzugen wollten. Als dann der erste Betrieb mitmachte, wirkte das wie ein Türöffner. Inzwischen zählt das Netzwerk 16 Firmen mit 32 Ausbildungsberufen, vom Maurer bis zum Steuerfachangestellten.

Wenn Politiker bei jeder Gelegenheit betonen, jeder habe das Recht auf ein Abitur, dann fördere das nicht unbedingt die duale Ausbildung, sagt Busch. Viele Jugendliche fänden es ohnehin bequemer, nach der Mittleren Reife erst mal weiter zur Schule zu gehen. Auch deswegen ist Busch stolz auf die Übergangsquote an der Pfingstbergschule: Mehr als 50 Prozent der Zehntklässler wechselten in den vergangenen Jahren in eine duale Ausbildung.

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