50 Jahre "Jugend forscht" Es läuft zu gut, um aufzuhören

Andreas von Bechtolsheim, Bundessieger Physik 1974

Mit sechs Jahren baute Andreas von Bechtolsheim den Kassettenrekorder seines Vaters auseinander. Er ist sicher nicht das einzige neugierige Kind, das seinen Forscherdrang zum Missfallen der Eltern an deren Sachen auslebt. Aber vielleicht war er der einzige Sechsjährige, der das Radio wieder zusammensetzen konnte.

Damit hatte der Junge beste Anlagen, um Spaß an Jugend forscht zu haben: Dreimal nahm der Schüler teil, dann gewann er mit seiner "Strömungsmessung durch Ultraschall". Und nahm Fertigkeiten mit, die ihm im Silicon Valley den Weg zum Milliardär ebnen sollten: Nicht nur eine gute Idee zu haben, sondern daraus ein Produkt zu entwickeln und es selbstbewusst anzupreisen. Wobei man nicht sagen kann, dass sein Gespür für lohnende Geschäfte bis dahin brachlag. Der Gymnasiast konstruierte für einen Bekannten Industriesteuerungen, für jedes verkaufte Gerät bekam er hundert Mark Provision und war im Elternhaus bald die Person mit dem höchsten Einkommen.

Wider die Beschränkungen

Seine Mischung aus Neugier, durchdachtem Arbeiten und einem gewissen Geschäftssinn verhalf Andreas von Bechtolsheim zu einem Platz auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt. Nur 29 Deutsche sind derzeit wohlhabender als er. Einen Grund, sich in seiner alten Heimat am Bodensee zur Ruhe zu setzen, ist dieser Erfolg nicht - das wäre dem Wahl-Amerikaner wohl zu langweilig. Er mag Neues und die Herausforderung, während er Beschränkungen seines Forscherdrangs unerträglich findet.

So auch beim Studium der Elektrotechnik an der TU München: Wie frustrierend für ihn, dass Studenten dort keinen Computer nutzen konnten. Er wechselte in die USA und legte als Doktorand der Universität Stanford den Grundstein seines Erfolges: Aus der Idee, die Institutsrechner zu vernetzen, wird das Unternehmen Sun Microsystems - SUN steht für Stanford University Network. Es lief gut, sehr gut sogar. Nur langweilte Andreas von Bechtolsheim, der hier einfach "Andy" ist, die Firmenroutine bei Sun. Er stieg 1995 aus und gründete das nächste Start-up: Bei Granite Systems arbeitete er an Hochgeschwindigkeits-Servern - wieder so erfolgreich, dass er das Unternehmen schon ein Jahr später veräußerte. Mit seiner dritten Firma Kaelia schloss sich der Kreis: Sie wurde von Sun Microsystems aufgekauft.

Das Geschäft seines Lebens machte er aber, als er in andere investierte: 1998 berichteten ihm Larry Page und Sergey Brin von einer Idee, die auch Bechtolsheim mehr als vielversprechend fand, die Suchmaschine fürs Netz. Heute sagt man googeln, wenn man Internetsuche meint. Trotz des Reichtums kann Andreas von Bechtolsheim das Erfinden nicht lassen. Für ihn ist das Geld eher eine beruhigende Zahl, die nichts daran ändert, dass er gerne weiterentwickelt und Probleme löst. Derzeit hat er in der Hardware-Firma Arista Networks eine Doppelrolle: Er arbeitet in dem Betrieb, dessen Investor er ist. Das findet selbst Bechtolsheim ein wenig seltsam. Aber nur Schecks auszustellen, wäre einfach zu langweilig.