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Zwei Sitze im EU-Parlament:Freie Wähler sind zufrieden

Der Koalitionspartner der CSU legt auf 5,3 Prozent zu

Wenn es um die Freien Wähler und Europapolitik geht, lautet das Credo von Parteichef Hubert Aiwanger: "Wir brauchen einen langen Atem, aber wir werden uns auch im Straßburger Parlament etablieren." Bei dieser Europawahl dürfte Aiwanger recht behalten haben. Im neuen Parlament könnten die FW zwei Abgeordnete stellen. Damit hätte sich die Zahl ihrer Mandate - wenn auch auf denkbar niedrigem Niveau - verdoppelt. Bundesweit erzielte die Partei nach den Hochrechnungen 2,1 Prozent, 2014 waren es 1,5 Prozent. In Bayern schnitten sie nach dem vorläufigen Endergebnis mit 5,3 Prozent ebenfalls besser ab als 2014 (4,3 Prozent). Die FW sind denn auch sehr zufrieden mit sich.

"Das ist ein Riesenerfolg", rief die FW-Spitzenkandidatin Ulrike Müller, als die ersten Prognosen über den Bildschirm flimmerten und ihre Anhänger aufjubelten. "Die Konkurrenz war stark, der Wahlkampf hart, wir können sehr zufrieden sein." Die Oberallgäuerin Müller ist Landwirtin und gehört dem EU-Parlament seit 2014 an. Bisher ist sie die einzige FW-Abgeordnete. Auch Parteichef Aiwanger äußerte sich am Abend sehr zufrieden: "Die 5,6 Prozent sind hervorragend, auch die zwei Prozent im Bund sind ein großer Erfolg. Damit haben wir unseren Brückenkopf in Brüssel ausgebaut. Wir kommen voran."

Die FW hatten lange ein ambivalentes Verhältnis zur EU. Vor allem Aiwanger ist nicht frei von Ressentiments gegen den angeblich übermächtigen und bürokratischen Apparat in Brüssel. "Wir wollen kein Europa, das uns die Hausordnung an die Tür nagelt", lautet eine Parole, mit der er EU-kritische Parteifreunde bedient. Auf der anderen Seite haben viele Freie Wähler schon seit Jahren einen sehr pragmatischen Umgang mit der EU. Gerade die Mittelständler unter ihnen wissen die Vorteile des Euro sehr zu schätzen. Und die Europaabgeordnete Müller ist längst EU-Fan. Sie nennt die EU das "größte Friedensprojekt aller Zeiten". Außer Müller dürfte der FW-Politiker Engin Eroglu aus Hessen dem Parlament angehören.