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Zwei Jahre Rauchverbot:Nach zwei Uhr rechnet niemand mehr mit einem Kontrolleur

Schließlich unterhalten sich rauchende Gäste mitunter gern. "Die Zahl der Beschwerden hat sich nicht deutlich vergrößert", sagt Blume-Beyerle. Einzelne Veränderungen gibt es freilich: So schließt das Szenelokal Trachtenvogl in der Reichenbachstraße nun bereits um 22 Uhr - eine Folge der nächtlichen Auseinandersetzungen mit Nachbarn.

Das Thema scheint sich dennoch irgendwie erledigt zu haben, vielleicht auch, weil sich das eine oder andere Stüberl als heimlicher Ort für Raucher etabliert hat. "Da darf man rauchen", heißt es dann schon mal in der Mund-zu-Mund-Propaganda.

Darf man natürlich eigentlich nicht, der Wirt duldet es halt, verdient vielleicht gutes Geld an den rauchenden Gästen - und muss hoffen, dass keiner dieser Gäste ihn verpfeift. Ähnliches gilt für manche Nachtclubs und Diskotheken. Nach zwei Uhr morgens rechnet offenbar kaum mehr jemand mit dem plötzlichen Besuch eines Bezirksinspektors. Also wird gequalmt.

Zu solchen Ordnungswidrigkeiten aufzurufen liegt dem Verein zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) natürlich fern. Dieser Verein hat sich 2007 gebildet, als die Diskussion über ein Rauchverbot in der Gastronomie ernsthaft entbrannte - oder auch das Unheil seinen Lauf nahm, wie es dieser Verein mit seinen bayernweit heute noch 40.000 Mitgliedern sieht. "Vor allem die kleinen Kneipen und Wirtshäuser mussten starke Umsatzverluste hinnehmen", heißt es in einer Erklärung des VEBWK zum zweiten Jahrestag des strengen Rauchverbots.

Als Beleg dient der Hinweis auf eine gemeinsame Umfrage mit dem Hotel- und Gaststättenverband, wonach Kneipen Mitte 2011 28 Prozent weniger Umsatz machten als vor dem Rauchverbot. Die Zahlen des Statistischen Landesamtes wiederum geben diesen Zusammenhang nicht her, danach ist der Umsatz von 2010 auf 2011 sogar leicht gestiegen.

Was den VEBWK empört, stellten die Statistiker doch im Jahr 2011 ihre Bemessungsgrundlage um: Betriebe mit einem Jahresumsatz von weniger als 150.000 Euro würden seither nicht mehr erfasst, "ein Großteil der kleinen Kneipen liegt da doch drunter", sagt ein erboster Bodo Meinsen vom VEBWK.

Er vermutet hinter dem Vorgehen Methode: "So bietet die Statistik ein Bild der Zufriedenheit." Eine Verschwörung der Statistiker gegen die Raucher? Wohl eher nicht. Fachleute räumen die veränderte Bemessungsgrundlage ein, beteuern aber, dass das vor allem einem Gefallen des Gesetzgebers an die Kleingastronomen zu schulden sei. Die müssen seither nicht mehr jeden Monat ihre Umsatzzahlen melden, was vielen sehr lästig war.

Einem Wirt wie Hubert Waldherr hilft das freilich auch wenig. Er fühlt sich als großer Verlierer eines aus Sicht der meisten längst ausgefochtenen Kampfes um das Rauchverbot. Der Verein zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur mag von einer Lockerung der Regeln träumen, "nach zwei Jahren hätte man die Möglichkeit, das Gesetz noch einmal zu novellieren", heißt es in der aktuellen Erklärung. "Für mich", sagt Waldherr, "gibt es keine Hoffnung."