Würzburg Neonazis bei Faschingszug

In Würzburg mischen sich Rechtsextremisten unter die Narren

Von Olaf Przybilla, Würzburg

Reinhart Stumpf, der Präsident der Würzburger Karnevalsgesellschaft, ist am Tag danach noch immer fassungslos. Neonazis haben sich am Sonntag beim Würzburger Faschingsumzug unter die Narren gemischt und Hetze gegen Flüchtlinge verbreitet. "Ich verabscheue diese Aktion, das ist einfach zum Kotzen", sagte Stumpf im SZ-Gespräch. Die kurz zwischen den Zugteilen marschierenden Rechtsextremisten hatten ihre Gesichter schwarz eingefärbt, sie hielten ein Plakat mit der Aufschrift "Wir wissen genau, abschieben wird uns keine Sau" in die Höhe. Einer der Marschierer trug eine Maske von Angela Merkel vorm Gesicht. Stumpf ist erzürnt: "Nicht mal den Mut hat diese Bagage, ihre Fratzen öffentlich zu zeigen."

Seinen Angaben zufolge müssen sich die Störer kurz vor dem Würzburger Rathaus zwischen die Faschingswagen eingereiht haben. An dem Faschingsumzug haben am Sonntag etwa 2800 Aktive teilgenommen, er gilt als einer der größten Umzüge außerhalb des Rheinlandes. Die Gruppe von Rechtsextremisten seien "selbstverständlich" nicht offizieller Teil des Umzugs gewesen, betonte Stumpf. Offenbar hätten sie "den Fasching zu instrumentalisieren versucht, um ihre Propaganda unters Volk zu bringen". Die Marschierer waren auch kurz bei der Live-Übertragung des Bayerischen Fernsehens zu sehen. Die Narren am Straßenrand "haben aber richtig reagiert", sagte der Karnevalspräsident. Seiner Beobachtung nach seien Zuschauer auf der Straße "nahezu zur Salzsäule erstarrt" im Angesicht der Neonazis. Wie lange die etwa zehn Neonazis im Faschingszug marschierten, ist unklar. Auf Höhe des Rathauses sollen sie nicht mehr zu sehen gewesen sein.

Die Polizei prüft nun, ob ein Verstoß gegen das Versammlungsrecht vorliegt. Dazu sollen auch Filmaufnahmen ausgewertet werden. Einem Polizeisprecher zufolge handelte es sich bei der Gruppe um Neonazis der Splitterpartei "Dritter Weg", die offenbar versucht hätten, von Polizisten unbemerkt in den Zug zu gelangen. Die SPD zeigte sich entsetzt von dem Vorfall. Der Abgeordnete Georg Rosenthal forderte, die "rassistischen Hetzer strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen" und Vorkehrungen zu treffen, damit sich so etwas nicht wiederholen könne.