Ermittlungen Würzburger Kinderporno-Fall: Pflegekinder wohl nicht missbraucht

  • Im Würzburger Kinderporno-Fall hat die Stadt einen sexuellen Missbrauch von zwei Pflegekindern des Verdächtigen zunächst ausgeschlossen.
  • Der 37-jährige Logopäde, der im Zentrum der Ermittlungen steht, soll Kinderpornos mit kleinen Jungen im großen Stil angefertigt und im sogenannten Darknet verbreitet haben.
  • Der Sprachtherapeut und sein Partner haben seit Jahren einen vierjährigen Jungen und ein fünfjähriges Mädchen betreut.
  • Zudem war der Mann als Therapeut in einer Praxis tätig, aber auch als Übungsleiter in einem Sportverein und Berater einer Kindertagesstätte.

Im Würzburger Kinderporno-Fall gibt es nach Erkenntnissen der Stadt keine Hinweise darauf, dass der Verdächtige auch seine Pflegekinder missbraucht haben könnte. Der 37-jährige Logopäde, der im Zentrum der Ermittlungen steht, sowie sein Lebenspartner kümmerten sich um einen vierjährigen Buben und ein fünfjähriges Mädchen. Anzeichen auf einen Missbrauch gebe es aber zunächst nicht, bestätigte ein Stadtsprecher. Zuvor hatten die Süddeutsche Zeitung und die Main-Post darüber berichtet. Im Zuge der Ermittlungen seien die Kinder zu Bereitschaftspflegeeltern gebracht worden. Ob sie dort am Wochenende noch waren und wie es für sie weitergeht, konnte der Sprecher nicht sagen. Den Kindern gehe es aber den Umständen entsprechend gut. "Es haben sich keinerlei körperliche oder seelische Hinweise auf Missbrauch ergeben." Die Untersuchung habe die Stadt veranlasst.

Der Fall war vergangene Woche bekannt geworden und hatte bundesweit Aufsehen erregt. Der tatverdächtige Logopäde sitzt in Untersuchungshaft, sein Partner war nach ersten Ermittlungen wieder freigelassen worden. Der Verdächtige soll Kinderpornos mit kleinen Buben im großen Stil angefertigt und im sogenannten Darknet verbreitet haben. Das Darknet ist ein abgeschirmter Bereich des Internets, in dem sich viele Kriminelle anonym fühlen. Die Ermittler prüfen derzeit Hunderte Fotos und Videos und gehen dem Verdacht des schweren Kindesmissbrauchs nach. Der Sprachtherapeut hatte in verschiedenen Einrichtungen Kontakt zu Kindern, auch als Übungsleiter in einem Sportverein. Bisher schweigt er zu den Vorwürfen.

Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern sagte, es deute derzeit nichts darauf hin, dass die Pflegekinder auch auf den Aufnahmen abgebildet sind. "Die sehr umfangreichen Ermittlungen laufen hinsichtlich der Opfer aber natürlich in alle Richtungen weiter", teilte der Beamte von der in Bamberg angesiedelten Zentralstelle auf Anfrage mit. Es handele sich um eine "große Puzzlearbeit".

Nach Angaben der Stadt Würzburg engagierten sich der Logopäde und sein Partner seit 2014 als Pflegeeltern. Dafür seien sie ausführlich überprüft worden, sagte der Stadtsprecher. Es habe "drei umfassende persönliche Gespräche" sowie Hausbesuche und Hospitationen gegeben. Ein Verdacht sei dabei nicht aufgekommen. Auszuschließen sei nicht, dass die Vorschriften für Pflegeeltern nach dem Vorfall verschärft werden. Für konkrete Maßnahmen sei es aber noch zu früh. Die Stadt habe zunächst den Fokus darauf gelegt, verunsicherte Eltern zu informieren und Telefonnummern zusammenzustellen, um auf Anfragen reagieren zu können.

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