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Wirtschaftlichkeit:Streit um Heilmittel für starke Raucher

Die öffentlich ausgetragenen Kämpfe zwischen Bayerns Hausärzten und den Krankenkassen um Regressforderungen wegen angeblich zu viel verordneter Medikamente, Heil- oder Hilfsmittel liegen Jahre zurück. Dabei ging es immer wieder auch um Summen, die für die Ärzte existenzbedrohend waren. Dank einer von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns ausgearbeiteten Wirkstoffvereinbarung sind solche Regressverfahren zwar aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden, nach wie vor aber beschäftigen sie die Justiz.

So jetzt auch im Fall eines Landarztes im Bayerischen Wald. Ihm wird von Kassenseite "unwirtschaftlicher Mehraufwand" vorgeworfen. Verursacht dadurch, dass er seit 2015 Patienten höhere Portionen eines Asthmapräparats verordnet hat. Dies, so sagte der Arzt am Freitag auf Nachfrage, liege daran, dass die Betroffenen starke Raucher seien. Zum Hintergrund: Die Regressforderungen aus nunmehr sechs Jahren bewegen sich im Bereich um die 30 000 Euro. Der Arzt betonte indes, ihm gehe es "ums Prinzip". Ihm sei erklärt worden, wenn ein Patient aufgrund seines Rauchverhaltens eine höhere Dosis benötige, dann hätte er den Patienten eben ein Privatrezept ausstellen müssen. "Das können die gar nicht zahlen", sagt wiederum der Arzt. In letzter Konsequenz bedeute das ja, "dass wir fahrlässiges Verhalten gegen die Gesundheit - wie etwa Übergewicht - den Patienten in Rechnung stellen". Das, so der Mediziner, bedürfe dringend einer gerichtlichen Überprüfung durch das Sozialgericht München. Die demnächst anstehende Gerichtsentscheidung betreffe aus seiner Sicht sehr viele Patienten. Aber auch das sei relevant: Etliche seiner Kolleginnen und Kollegen teilten sich mittlerweile die Patienten, damit nicht nur eine Praxis die Rezepte ausstelle. So ließen sich zwar Regresse vermeiden, aber das Ärzte-Hopping belaste die Kassen viel mehr als seine Vorgehensweise. Und an der wolle er auch weiterhin festhalten.

© SZ vom 17.04.2021 / dm
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