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Wirtschaft:Arbeitslosigkeit 2019 auf Tiefstand

Kurzarbeit und Stellenabbau könnten Trend umkehren

Die Arbeitslosigkeit in Bayern hat im Jahresdurchschnitt 2019 einen historischen Tiefstand erreicht: Die Arbeitslosenquote war mit 2,8 Prozent so niedrig wie nie seit Einführung der aktuell genutzten Berechnungsmethode im Jahr 1994. Das teilte die Regionaldirektion Bayern der Arbeitsagentur am Donnerstag in Nürnberg mit. Demnach waren im Jahresdurchschnitt 211 965 Menschen arbeitslos gemeldet, ein Prozent weniger als 2018. In 16 Kreisen wurden sogar im Jahresdurchschnitt Werte von weniger als zwei Prozent erzielt - in ihnen herrschte damit nach einer gängigen Definition Vollbeschäftigung. Spitzenreiter war dabei Eichstätt mit 1,3 Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg auf 5,7 Millionen Personen.

Ob sich der grundsätzlich positive Trend am Arbeitsmarkt auch 2020 fortsetzen wird, ist allerdings fraglich. Optimistisch stimmt die Regionaldirektion Bayern zwar, dass manche Branchen unvermindert boomen, zum Beispiel das Baugewerbe. Bei der Arbeitskräftenachfrage sei "weiterhin ein hohes Niveau zu verzeichnen". Doch insgesamt hat sich 2019 der Abbau der Arbeitslosigkeit deutlich abgeschwächt; seit Juli steigt sie sogar wieder leicht an. Dies ist zum einen der abkühlenden Konjunktur geschuldet. Zum anderen befinden sich Teile des Automobilbaus in der Krise, viele Firmen haben Stellenstreichungen oder Werksschließungen angekündigt. Schon jetzt wird Kurzarbeit in der Industrie wieder häufiger. Auch die Zahl der neu gemeldeten Stellen ging um gut ein Zehntel zurück. Im Jahresdurchschnitt waren den Jobcentern 125 827 Stellenangebote gemeldet worden. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft sieht die Industrie auch deshalb "in einer echten Rezession", die "mittlerweile auch unternehmensnahe Dienstleistungen" erfasse. Für 2020 erwartet der Verband, dass der Beschäftigungsaufbau in Bayern unterm Strich stagniert.

Kommende Woche will die Regionaldirektion bekannt geben, wie sie den Herausforderungen des neuen Jahres begegnen möchte. So gilt es, das Fachkräftezuwanderungsgesetz mit Leben zu füllen: Mit dessen Hilfe sollen künftig gezielt Arbeitskräfte im Ausland angeworben werden. Den Jobcentern wird dabei als Vermittler eine Schlüsselrolle zukommen. Wichtig wird auch die Frage, welche Weiterbildungsmaßnahmen angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt für Beschäftigte nötig sind. Vor allem Gewerkschafter drängen darauf, dass hier mehr passieren müsse - auch von Seiten der Unternehmen.

© SZ vom 17.01.2020
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