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Verkehr:Mehr Sicherheit auf dem Schulweg

Mama-Papa-Taxis als Sicherheitsrisiko, Schulwegtraining und freiwilliges Engagement - die Polizei appelliert an die Eltern

Mehr Autos, größerer Zeitdruck, hektischer Verkehr - sicher zur Schule zu kommen, sei nicht gerade einfacher geworden, sagt Polizeiinspekteur Thomas Hampel. Zusammen mit der Gemeinschaftsaktion "Sicher zur Schule" appellierte er am Montag an die Eltern der 106 000 Schulanfänger in diesem Jahr, den neuen Schulweg mit ihren Kindern einzuüben. Der kürzeste Weg sei nicht immer der sicherste. Schulwegpläne könnten helfen, die optimale Strecke zu finden.

Manchmal würden Eltern sogar selbst zum Sicherheitsrisiko für Schulkinder, sagt ein Sprecher des Innenministeriums, etwa, wenn sie ihre Kinder mit dem Auto zur Schule brächten. Die sogenannten Eltern-Taxis stünden oft in zweiter Reihe und blockierten die Sicht, sodass Kinder übersehen werden können. Wer sein Kind aber doch mit dem Auto absetze, solle sich an die Verkehrsregeln halten und damit Vorbild sein, sagte Hampel.

Besonders vorbildlich sei es, wenn Eltern sich selbst als Schulweghelfer engagierten, sagte Wolfgang Grote von der Landesverkehrswacht. Es gebe immer weniger, die das Ehrenamt übernehmen. Früher habe es in München bis zu 800 Schulweghelfer gegeben, jetzt seien es noch 600. Trotzdem sei Bayern vorbildlich, sagte Hampel. Jeder zweite Schulweghelfer in Deutschland komme aus Bayern, wo 31 500 Ehrenamtliche Schülern über die Straße helfen. Vor allem ihnen sei es zu verdanken, dass es 2015 und 2016 im Freistaat keinen tödlichen Schulwegunfall mehr gab. Mitte der Siebzigerjahre kamen in Bayern noch bis zu 35 Kinder jährlich auf ihrem Schulweg ums Leben. Die Anzahl der Unfälle auf Schulwegen sei 2016 aber um knapp sieben Prozent auf 712 gestiegen.

Deshalb sei es wichtig, dass das Engagement nicht abreiße, sagte Hampel. Auch, weil das Schulsystem sich im Umbruch befinde und es immer mehr Ganztagsschulen gebe. Am Nachmittag genügend Ehrenamtliche zu finden, sei eine Herausforderung. Viele fühlten sich nur so lange verantwortlich, wie sie selbst Kinder haben, sagt Bernd Hertling, der seit zehn Jahren Schulweghelfer ist und zusammen mit drei weiteren am Montag für sein Engagement ausgezeichnet wurde.

© SZ vom 04.04.2017 / nell
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