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Verkehr:Fahrradmonitor lobt strampelnde Bayern

Fast die Hälfte aller Bayern fährt täglich oder zumindest mehrmals in der Woche mit dem Rad. Dies geht nach Angaben des bayerischen Verkehrsministeriums aus dem am Dienstag veröffentlichten "Fahrradmonitor 2019 für Bayern" hervor, einer Online-Umfrage unter mehr als 700 Teilnehmern für den nationalen Radverkehrsplan des Bundes. Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) betont, dass die Bayern laut dieser Befragung etwas öfter mit dem Rad fahren, als es alle Deutschen im Durchschnitt tun. Außerdem hätten in Bayern mit 43 Prozent der Befragten auch überdurchschnittlich viele Menschen angekündigt, künftig noch öfter radeln zu wollen. Während Reichhart dies als Erfolg der freistaatlichen Radverkehrsförderung interpretiert, sammeln in immer mehr größeren Städten Bürger Unterschriften für "Radentscheide", um die lokalen Bedingungen für Radler zu verbessern. Während die Initiative in Regensburg ihre Unterschriftensammlung an diesem Donnerstag beenden will, hat ein entsprechendes Bündnis in Rosenheim gerade damit angefangen.

Die Rosenheimer Initiative setzt Reichharts Zahlen eine andere entgegen: Noch immer würden in der recht flachen und damit zumindest topografisch fahrradfreundlichen Stadt 60 Prozent aller Wege unter fünf Kilometern mit dem Auto zurückgelegt. Um das zu ändern, ähneln die Ziele in Rosenheim denen in anderen Städten: Das Bündnis, das unter anderem vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, dem Bund Naturschutz sowie mehreren Parteien unterstützt wird, fordert unter anderem ein lückenloses Radwegenetz sowie bessere Abstellmöglichkeiten für Räder - Wünsche, die auch viele Befragte im Fahrradmonitor Bayern geäußert haben.

Um einen Bürgerentscheid herbeizuführen, in dem alle wahlberechtigten Rosenheimer über entsprechende Maßnahmen abstimmen können, benötigt das Bündnis rund 2700 Unterschriften. In Bamberg wären für einen solchen Entscheid rund 3300 Unterschriften nötig gewesen. Dort sammelte eine lokale Initiative vor zwei Jahren fast das Dreifache und machte ihr Anliegen so zum erfolgreichsten Bürgerbegehren der Stadtgeschichte. Der Bamberger Stadtrat übernahm die Forderungen schließlich Anfang 2018 ohne Bürgerentscheid. Gleiches geschah in diesem Sommer in Würzburg und München.

© SZ vom 09.10.2019 / kpf