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Unter Bayern:Söder-Kritik leicht gemacht

Darauf hat Bayern gewartet: Die Plattform "Söbis" ist in Betrieb, die Kritik von und an Ministerpräsident Markus Söder vereinfacht. Per Automatisierung zum Beispiel. Das bedeutet eine enorme Arbeitserleichterung. Für alle Beteiligten

Glosse von Roman Deininger

München, 4. Januar. Eine positive Bilanz der neuen Online-Plattform Söbis hat am Montag Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) gezogen. Die Testphase des Internetportals, das Kritik von und an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erleichtern soll, sei sehr "ermutigend" verlaufen, so Herrmann. "Das System ermöglicht es dem Herrn Ministerpräsidenten, seine berechtigte Kritik an zahlreichen Einzelpersonen und Institutionen im In- und Ausland effizient zu äußern." Söder komme nun am Tag auf eine Zeitersparnis von drei bis vier Stunden. "So ein Kritikvolumen ist ja analog von einem Menschen allein gar nicht bewältigbar."

Herrmann zufolge schlägt Söbis dem Ministerpräsidenten auf Grundlage eines geheimen Algorithmus täglich um sechs, 14 und 22 Uhr per Pushnachricht drei Adressaten für Kritik vor. Im zweiten Schritt erhält Söder dann drei Optionen, welchen Vorwurf er äußern will. "Er kann bequem auf dem Handy seine Wahl treffen." Am Sonntag, berichtete Herrmann, habe das schon reibungslos funktioniert: "Adressat? EU. Vorwurf? Zu wenig Impfstoff bestellt. Schärfegrad? Mittel. Und ab damit!" Der Adressat werde per Mail benachrichtigt, ebenso ein kleiner Presseverteiler. Automatisiert wird zudem ein Tweet abgesetzt. Söder könne aber auch initiativ eine alphabetische Kritikempfängerdatenbank nutzen ("Aiwanger", "Basti-Fantasti", "CDU", "Die Melanie" usw.) sowie seine Vorstöße bei Bedarf personalisieren, etwa mit Schlüsselverben wie "mahnt", "warnt" oder "fordert".

Umgekehrt soll Söbis jedoch auch für Söder-Kritiker die Arbeit vereinfachen. Jeder Interessierte kann nach Registrierung auf vorsichtundumsicht.by seine Angriffe auf Söder individuell gestalten,etwa mittels einer raffinierten Autovervollständigung, die ein "E" sofort zu "Ego-Show" komplettiert, ein "H" zu "hohe Infektionszahlen in Bayern", ein "M" zu "Mini-Trump" oder ein "V" zu "Vorpreschen". SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil teilte am Montag mit: "Das Vorpreschen des Mini-Trump mit einer Kritikempfängerdatenbank ist angesichts der hohen Infektionszahlen in Bayern eine reine Ego-Show." Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) begrüßte das neue Portal, kritisierte aber, dass die Spracherkennung nicht funktioniere.

© SZ vom 05.01.2021
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