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Unter Bayern:Lockdown auf Regensburger Art

Diese Zurückgezogenheit in Zeiten der Pandemie, das soll einem Menschenschlag im Osten Bayerns gar nicht so unrecht sein. Die Oberpfälzer könnten den Lockdown sogar erfunden haben. Aber...

Glosse von Deniz Aykanat

Regensburg, die Hauptstadt der Oberpfalz, befindet sich seit fast zwei Wochen wie der Rest des Freistaats im Lockdown. Passend dazu kleidet sich die Stadt an der Donau in ein deprimierendes Gewand: Nebel. So viel Nebel, dass man, wenn zu Regensburg nicht auch ein ziemlich hoher und schöner Dom gehören würde, nicht mehr wüsste, in welcher Stadt man eigentlich wohnt. Die Türme der gotischen Kathedrale ragen in diesen Tagen manchmal gerade noch aus der milchigen Suppe heraus. Als Ortsansässige ist man das ja gewohnt, typisches Wetter für Regensburg und Umgebung. Doch so alleine im Nebel kommt man dann doch ins Grübeln.

Auf die Familie beschränken, daheim bleiben, öfter mal den Rand halten, weil man dann weniger Aerosole ausstößt? Diese Ansagen kommen zwar von einem Franken (Markus Söder) oder aus Berlin (Jens Spahn), klingen aber wie die Vorschläge eines Oberpfälzers. Ist der ganze Lockdown eine oberpfälzische Erfindung, wenn nicht sogar das oberpfälzische Lebensgefühl schlechthin?

Wobei persönliche Beobachtungen die Vermutung aufkommen lassen, dass es sich beim Klischee des sich gerne im Dauer-Lockdown befindlichen Oberpfälzers vor allem um das männliche Exemplar handelt. Oder ist das eine Frage des Alters? Vielleicht ist der junge Oberpfälzer geselliger als seine Eltern und Großeltern? Darauf deutet zumindest eine Polizeimeldung der vergangenen Tage hin, die jedes Sinnieren über den Oberpfälzer-Eremiten als Geschwurbel entlarvt, mindestens aber als veraltete Annahme. 50 Jugendliche trafen sich demzufolge, um auf einem Spielplatz in der Oberpfalz eine illegale Party zu feiern. Beim Eintreffen der Polizei seien sie in alle Richtungen geflüchtet, teilten die Beamten mit. Eine paar Frevler konnten noch dingfest gemacht werden, der große Rest verschwand im oberpfälzischen Nebel, vereinzelte sich sozusagen schnell wieder.

Und eine Sache entlarvte die untypisch gesellige Horde dann doch wieder als Oberpfälzer: Bei ihrem fluchtartigen Aufbruch ließen die Jugendlichen einige Flaschen zurück. Hochprozentiges natürlich, obwohl es erst vier Uhr nachmittags war. Denn im Wasser - so lernte die Autorin einmal ebenfalls von einem weisen Oberpfälzer - "vegln d' Fisch."

© SZ vom 14.11.2020
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