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Universität Augsburg:Keine Chance auf zügigen Abschluss

Vorlesungssaal in der Universität Augsburg, 2011

Gefüllt bis auf den letzten Platz: Die Hörsäle der Universität Augsburg.

(Foto: JOHANNES SIMON)

Sie sitzen auf Treppen und Fensterbänken, viele Veranstaltungen sind restlos überfüllt: Augsburger Studenten schaffen die Regelstudienzeit nicht mehr, weil es an Seminaren, Plätzen im Sprachlabor und an Mitarbeitern im Prüfungsamt fehlt.

Eng war es schon immer in den Hörsälen an der Universität Augsburg. In diesem Wintersemester hat sich die Situation aber so verschärft, dass manche Studenten ihre Regelstudienzeit nicht mehr einhalten können. Es fehlt an Seminaren, an Plätzen im Sprachlabor, an Mitarbeitern im Prüfungsamt. Die Fachschaft Lehramt will diese Bedingungen nicht mehr klaglos hinnehmen und hat sich in einem Brief an die Präsidentin der Universität gewandt. "Von hervorragenden Rahmenbedingungen für ein ebenso effektives wie angenehmes Studium", wie die Präsidentin in ihrer Begrüßungsrede zum Wintersemester sprach, könne nicht die Rede sein, so die Studenten.

"Wir sind es ja gewohnt, auf Treppen und Fensterbänken zu sitzen", sagt Valentin Magg von der Fachschaft, "aber jetzt sind manche Veranstaltungen unerträglich voll geworden." Der künftige Deutsch- und Englischlehrer fürs Gymnasium ist froh, dass er das Gröbste schon hinter sich hat. "Es gibt Flaschenhälse, da muss jeder durch, sonst kann man nicht ins nächste Semester vorrücken." Das Sprachenzentrum ist so ein Flaschenhals, längst bekommt dort nicht mehr jeder Student einen Platz im Pflichtseminar.

Sogar die Computer brechen zusammen

Unter dem Andrang, so berichtet Magg, sei auch die Software des Uni-weiten Anmeldesystems "Digicampus" zusammengebrochen, "jetzt gibt es plötzlich wieder Losverfahren". Wer aber das falsche Los zieht und sein Pflichtseminar nicht bekommt, bleibt buchstäblich sitzen: In Zeiten von Bologna ist alles streng reguliert, Ausweichseminare nützen da nichts mehr.

Bayerische Universitäten

Die größten Schwachstellen der Hochschulen

Acht Prozent mehr Studenten verzeichnet die Fakultät für Erziehungswissenschaften in diesem Jahr, auf der Seite der Professoren und Verwaltungsmitarbeiter ist seit Jahren aber keine Stelle mehr dazu gekommen, im Gegenteil, bestätigt Dekanin Eva Matthes. "Wir können leider oft nur Massenveranstaltungen anbieten. Die Qualitätsoffensive Lehre, von der immer die Rede ist, bräuchte deutlich mehr Personal."

Auch das Prüfungsamt ist ein Flaschenhals, der viele Studenten blockiert. Miriam Schoeller hat neben dem Staatsexamen fürs Lehramt noch den Bachelor of Education gemacht, ein Angebot der Universität, das viele Studenten gerne annehmen. Für die Anmeldung zum Master hätte sie die Note gebraucht, doch auf das Zeugnis musste sie ein Dreivierteljahr warten. Sie konnte nur weiterstudieren, weil sich das Uni-intern regeln ließ. "An einer anderen Uni hätten sie mich ohne Zeugnis nicht genommen", sagt die Studentin. Wartenzeiten von mehr als sechs Monaten im völlig überlasteten Prüfungsamt seien die Regel.

"Strukturelle Anpassungen"

Sabine Doering-Manteuffel, die Präsidentin der Universität, nimmt die Klagen ernst und will sich in der kommenden Woche mit den Studentenvertretern treffen. Künftig sollen die Studiendekane jeden Monat nach aktuellen Engpässen befragt werden. Das Problem der Raumnot sei nicht auf Augsburg beschränkt, betont sie. Alle bayerischen Universitäten litten unter dem Andrang.

Auch Martin Middeke, Dekan der Philologisch-Historischen Fakultät, zeigt Verständnis für die Studenten. Man versuche, Engpässe durch "strukturelle Anpassungen" zu entschärfen, zum Beispiel, indem man aus Seminaren Vorlesungen mache. Aber diese Möglichkeiten seien begrenzt, "man kann Phonologie als Vorlesung anbieten, aber nicht Translation", räumt der Anglist ein.

Studenten, die durch den "Effektivitätswahn" des Bologna-Studiums getrieben seien, wollten eben zügig studieren. Früher habe man einfach mal ein Semester in Nebenfächer geschnuppert und seine Bildung verbreitert, so der Professor. Das sei leider verloren gegangen.

© SZ vom 30.10.2013/wolf
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