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Umzug aufs Land:Eine Behörde zieht aufs Land - ihr Personal bleibt lieber in München

Mühldorf am Inn hat durchaus seine reizvollen Seiten, dennoch bevorzugen viele Behördenmitarbeiter München.

(Foto: Imago)
  • Das Amt für ländliche Entwicklung zieht in einigen Jahren von München nach Mühldorf am Inn.
  • Doch nur wenige Beamte und Angestellte wollen mit: Bisher haben nur neun zugesagt, dass sie den Umzug mitmachen.
  • Auch der Gewinn von neuem Personal gestaltet sich schwieriger als erwartet.

Von Christian Sebald

Peter Selz will die Sache positiv sehen. "Wir sind für die ländlichen Regionen zuständig", sagt der Chef des Amtes für ländliche Entwicklung (ALE) Oberbayern. "Da hat es seinen Reiz, wenn wir als Behörde raus aus der Stadt aufs Land ziehen." Also nennt Selz den Umzug seines Amtes von München nach Mühldorf am Inn ein "Signal für die Zukunft", zumal seine Behörde dort einen feinen Holzneubau hingestellt bekommt und dazu viel neues Personal.

Die Mitarbeiter von Selz sehen den Umzug lange nicht so positiv. Nur neun der 141 Angestellten und Beamten haben erklärt, dass sie ihn mitmachen werden, neun von 141. Von den anderen 132 wechseln 50 bis zum Umzugsjahr 2025 in den Ruhestand. Die anderen 80 suchen sich neue Stellen - bei den Vermessungsämtern etwa. "Wir stehen vor einem kompletten personellen Neuaufbau", sagt Richard Besener nüchtern. Der Personalratschef kann dem Umzug wenig abgewinnen.

Was war das für ein Paukenschlag im März 2015. Bis 2025 werde der Freistaat mehr als 50 Behörden, Ämter und Fachhochschulen mit insgesamt 2225 Planstellen und 930 Studienplätzen raus aus den Ballungsräumen in strukturschwache Regionen verlagern, verkündete Heimatminister Markus Söder (CSU). Damit setze man ein kraftvolles Zeichen, dass man es sehr ernst meine mit der Förderung der ländlichen Gebiete. Schließlich handle es sich um die größte derartige Aktion seit 30 Jahren. Natürlich wurden alle Regierungsbezirke bedacht, Oberfranken als der vom industriellen Strukturwandel und der Überalterung am stärksten betroffene Region besonders.

Dorthin ziehen Behörden und Ämter mit 418 Staatsdienern und Außenstellen der Fachhochschule Justiz und der Finanzhochschule mit zusammen 500 Studenten. Doch auch das reiche Oberbayern ist mit 253 Staatsdienern beim Behördenkarussell dabei - das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern stellt den Löwenanteil. An diesem Mittwoch präsentieren nun Agrarminister Helmut Brunner in seiner Funktion als Bayerns oberster Landentwickler und Staatskanzleichef Marcel Huber als Mühldorfer Stimmkreisabgeordneter das Umzugskonzept.

In der Münchner Behörde ist die Stimmung derweil gedämpft. Zwar gibt es keine offenen Proteste gegen den Umzug. "Aber das liegt einzig daran, dass die Kollegen fest auf die Zusage der Staatsregierung vertrauen, dass alle, die nicht umziehen können oder wollen, auch nicht umziehen müssen", sagt Personalratschef Besener. "Außerdem haben wir in der Vergangenheit gelernt, dass solche Proteste nichts fruchten, wenn so eine Verlagerung beschlossen ist, wird sie durchgezogen."

Gleichwohl stellen viele Kollegen von Besener Sinn und Zweck des Umzugs offen infrage. Das liegt nicht nur daran, dass etliche familiär an den Ballungsraum München gebunden sind und deshalb auf keinen Fall täglich die 80 Kilometer einfach zwischen der Landeshauptstadt und Mühldorf hin- und herpendeln wollen. Sondern es hat vor allem damit zu tun, dass Mühldorf im östlichen Oberbayern liegt. "Meine Mitarbeiter sind sehr viel draußen in den oberbayerischen Landkreisen", sagt Behördenchef Selz.

"Da ist es dann schon ein großer Vorteil, wenn der Amtssitz im Zentrum liegt mit allen günstigen und schnellen Verkehrsanschlüssen und nicht an dessen Rand." Die Dienstfahrten seiner Mitarbeiter, so die Prognose von Selz, werden sich künftig deutlich verlängern. "Von Mühldorf in den Landkreis Weilheim oder nach Garmisch-Partenkirchen, da ist man einfach schnell zweieinhalb Stunden unterwegs", sagt er. "Von München aus geht das sehr viel schneller."

Die Fahrten zu den "Kunden" dauern deutlich länger

Aber die längeren Fahrtzeiten sind es nicht alleine. Viele zweifeln an, ob die Region Mühldorf einen strukturpolitischen Impuls durch so eine Ämterverlagerung überhaupt nötig hat. Schließlich liegt die Arbeitslosenquote dort bei gerade mal 3,6 Prozent, es herrscht also nahezu Vollbeschäftigung. Außerdem stehen einige Hundert Lehrstellen offen. Wenig verwunderlich also, dass das Amt für Ländliche Entwicklung auf die zwölf Ausbildungsplätze, die es dort unlängst schon mit Blick auf den Umzug ausschrieb, so wenig Resonanz bekam, dass man eine weitere Bewerbungsrunde einläuten musste.

Auch die Neueinstellung von Mitarbeitern und Beamten kommt nicht so zügig voran, wie geplant - schließlich bekommen nur Bewerber einen Zuschlag, die später auch mit nach Mühldorf ziehen werden. Deshalb richtet man sich schon darauf ein, dass man 2025 in Mühldorf mit einer Rumpfbehörde startet.

© SZ vom 21.12.2016/vewo
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