bedeckt München 32°

Umfrage-Affäre: GMS-Institut:"Da tröpfelt nichts durch"

Wer sich in der CSU umhört, bekommt viel Lob für Jung mitgeteilt, sogar Bewunderung schwingt mit. "Er ist exzellent", schwärmt einer. Auch der Fernsehsender Sat1 greift gerne mal auf Jung zurück, wenn er über Befindlichkeiten in Bayern berichten will. Mindestens genauso wichtig ist, dass Jungs kleines Institut mit neun Mitarbeitern als sehr verschwiegen gilt. "Da tröpfelt nichts durch", sagt einer, der in der CSU mitzureden hatte, wenn es darum ging, Studien in Auftrag zu geben. Warum sonst sollte man sich ein Institut im fernen Hamburg suchen, merkt er noch an.

In Zeiten der Alleinregierung sah man - so berichten es übereinstimmend Insider aus Parteizentrale und Staatskanzlei - lediglich die Notwendigkeit, sauber zu trennen, wer Auftraggeber der Studie ist und damit die Rechnung bezahlt. Die wesentlichen Erkenntnisse der Studien wurden dann informell zwischen Staatskanzlei und Partei-Hauptquartier ausgetauscht. "Zwei bis drei Leute konnten immer sicherstellen, dass die wichtigen Informationen weitergereicht wurden", erzählt einer.

Bis heute freut sich manch ein Verantwortlicher über Synergieeffekte: Mal fragte Jung im Auftrag der Partei, mal im Auftrag der Stiftung, mal im Auftrag der Staatskanzlei. "Informell sind die Studien schon aufeinander abgestimmt worden", berichten zwei Funktionäre übereinstimmend über die früher gängige Praxis. Und Jung hatte den Vorteil, dass er seine Computer ständig mit frischen Daten füttern konnte.

Auftrag von Stoibers Schattenmann

Auf Jung greift die CSU auch gerne zurück, wenn Umfragen anderer Institute mal zu unerwünschten Ergebnissen kommen. Kurz vor der Kommunalwahl 2008 hatte sich der damalige CSU-Bezirkschef Günther Beckstein über eine Umfrage geärgert, die SPD-Oberbürgermeister Ulrich Maly und seine SPD in Nürnberg weit vor der CSU und deren Kandidaten sah. "Die Daten liegen abenteuerlich neben dem, was wir an Stimmung erleben", sagte Beckstein damals und beauftragte Jung. Dessen Ergebnisse fielen dann so gut aus, dass Beckstein seine Partei schon auf der "Überholspur" sah. Am Wahltag fuhr die SPD freilich einen fulminanten Sieg ein - Jung lag falsch.

In der CSU-Spitze gehen die Meinungen auseinander, wie die kritischen Stellen ins Gutachten gelangen konnten. Für die einen klingt es plausibel, dass Jung von sich aus die Analysen geliefert hat. "Gewohnheitsrechtliche Vorgabe", nennt das einer süffisant.

Andere wundern sich nicht, wenn sie lesen, wer die Studie in Auftrag gegeben hatte: Michael Höhenberger, einer von Edmund Stoibers mächtigen Schattenmännern, der zwischenzeitlich auch mal das CSU-Hauptquartier geleitet hat. Höhenberger war für Stoiber vor allem ein Scharnier zwischen Regierung und Partei - es wäre nicht das erste Mal, dass unter seiner Funktion beides verschmilzt. Heute arbeitet er als hoher Beamter im Umweltministerium.

Meinungsforscher Jung könnte natürlich selbst am besten beantworten, wie die Passagen in die Studie kamen. Er lehnt aber trotz mehrmaliger Anfrage der SZ eine Stellungnahme zu den Vorgängen ab.