Traunstein:"A Preiß ko nie a Bayer werdn ..."

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Plakat Hofbräuhaus Traunstein

Dieses Motiv, das im Festzelt in Eiselfing hing, sorgt momentan für große Diskussion.

(Foto: Motiv Hofbräuhaus Traunstein)

"... a Neger aber scho": Mit diesem Spruch wirbt das Hofbräuhaus Traunstein für sich selbst - und erreicht damit wohl sein Ziel.

Kolumne von Matthias Köpf

In einem Bierzelt können sich schon mal die Geister scheiden, und zwar auch die von ganzen Turn- und Sportvereinen. Denn im Bierzelt berauschen sich nicht nur Menschen an ein paar Massen, sondern auch die Menschenmassen an sich selbst. Vielleicht sind der TSV Eiselfing und der TSV Wasserburg rein zahlenmäßig gar nicht so massig, aber dafür sind die Vorwürfe massiv.

Es geht um Rassismus, und der Auslöser des ganzen Vereinszerwürfnisses ist nicht einmal das Bier - sondern bloß die Werbung dafür, die dem Vorsitzenden der Wasserburger da im Festzelt in Eiselfing sehr sauer aufgestoßen ist.

Beide, also Bier wie Werbung, kamen vom Hofbräuhaus Traunstein. Dort verstehen sie womöglich viel vom Bier, aber sicher nicht weniger vom Auf-den-Putz-Hauen. Also haben sie für ein Werbeplakat einen muskulös grinsenden Mann in Lederhose posieren lassen, dessen Hautfarbe sich kaum von der dunklen Holzvertäfelung im Hintergrund abhebt. Dazu lässt die Brauerei textlich wissen, dass ein Preuße niemals ein Bayer werden könne, "a Neger aber scho".

Während der Wasserburger TSV-Vorsitzende die Preußen-Passage nur als dümmlich empfindet, sieht er den zweiten Halbsatz und das ganze Plakat als rassistisch an, was er auch die Lokalzeitung wissen ließ. Der Eiselfinger TSV-Vorsitzende dagegen verwahrt sich dort gegen den Vorwurf, betont die Integration im Verein, spricht von einem zutiefst erschütterten Verhältnis zum TSV Wasserburg und verweist auf das Hofbräuhaus Traunstein.

Dort will man von Rassismus nichts wissen, dafür umso mehr von künstlerischer Freiheit und dem "hintergründigen Augenzwinkern des bayerischen Humors". Allerdings sind die Hintergründe dieses Hofbräu-Humors zumindest in einer Hinsicht so klar wie bei jeder Werbung: Das Aufsehen, das etwa Bayerns Innenminister mit seinem Gerede über Roberto Blanco als "wunderbaren Neger" erregt hat, wäre da sicher nicht zuwider.

Dem Minister hat das (nicht von Blanco) die gerichtlich gebilligte Retourbeleidigung als "wunderbares Inzuchtsprodukt" eingebracht - und wer will, kann sich jetzt Ausfälligkeiten gegen die Hofbrauer und ihr Gebräu ausdenken. Und jedes weitere Aufsehen wird in Traunstein stets gerne genommen.

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