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Tourismus:Aus für Luxushotel in Mittenwald

Gemeinderat beendet nach acht Jahren die Zusammenarbeit mit einem Berliner Projektentwickler

Das oberbayerische Mittenwald entspricht ziemlich genau dem, was früher landläufig eine Fremdenverkehrsgemeinde genannt wurde. Früher, das war zum Beispiel noch Anfang der 1990er Jahre, als in dem Karwendelort noch eine Million Übernachtungen pro Jahr gezählt wurden. Bis vor zehn Jahren hatte sich diese Zahl praktisch halbiert. Zuletzt ging es wieder langsam bergauf, doch seine größte Hoffnung für den Tourismus seit langem hat der Gemeinderat nun bis auf Weiteres begraben müssen: Die acht Jahre lang und bis vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof durchgekämpften Pläne für ein Vier-Sterne-superior-Hotel im Ortskern sind mangels Betreiber gescheitert.

Entwickelt hatte das 40 Millionen Euro teure Projekt eine Berliner Gesellschaft, die ihm den Namen "Montagnard Region Garmisch-Partenkirchen" gegeben und den so lang ersehnten "Signaleffekt für die ganze Region" verheißen hatte. 150 Zimmer und Suiten mit zusammen 300 Betten, dazu 800 Quadratmeter Spa, zwei Restaurants und zwei Bars sollten mitten in Mittenwald entstehen und ein zahlungskräftiges Publikum nicht nur anlocken, sondern auch zum Bleiben und zum weiteren Geldausgeben motivieren. Als die Berliner ihr Projekt 2010 in der örtlichen Sporthalle vorgestellt hatten, waren sie geradezu gefeiert worden. Einigen Nachbarn war das geplante Hotel jedoch deutlich zu massiv, und die Verwaltungsrichter ließen später auch keinen Zweifel daran, dass die Gemeinde ihre womöglich guten gestalterischen Absichten nur auf recht mangelhafte Weise in einen Bebauungsplan gegossen hatte. Das Rathaus musste nachbessern, und seit 2014 besteht nun ein vom Verwaltungsgerichtshof bestätigtes Baurecht für eine fünfgeschossige Anlage in dem sonst recht kleinteilig strukturierten Ort.

Allerdings war danach von den Projektentwickler nicht mehr allzu viel zu hören. Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU), der nach eigenen Worten viel Herzblut investiert hat, um ein Hotel höherer Kategorie in seinen Ort zu holen, drängte auf Baubeginn, doch den vertraglich geforderten Betreiber für das Hotel konnten die Projektentwickler einfach nicht benennen. Im Januar habe es immerhin eine unterschriebene Absichtserklärung eines Betreibers gegeben, weshalb der Gemeinderat die selbst gesetzte Frist noch einmal bis Ende September verlängert habe. Nun sei aber wieder ein anderer Betreiber genannt worden, freilich nur vollkommen unverbindlich, erklärt Hornsteiner. Deshalb habe der Gemeinderat die Zusammenarbeit mit dem Projektentwickler nach acht Jahren und viel Einsatz auf allen Seiten beendet. Auf eins legt der "schon ein Stück weit enttäuschte" Bürgermeister dabei aber Wert: Den Bebauungsplan könne man jederzeit wieder aus der Schublade ziehen. "Das Baurecht bleibt in Kraft. Das kann uns keiner mehr nehmen."