Torlinientechnologie aus Ismaning Magnetfeld unterm Torraum

Etwa 250 Mitarbeiter beschäftigt Cairos heute; darunter zehn Ingenieure, die das Cairos GLT System entworfen haben. Dazu werden unter dem Spielfeld und im Torraum Kabel verlegt, die ein Magnetfeld erzeugen. Außerdem wird der Ball mit einem Sensor ausgestattet, der Daten des Magnetfelds empfängt und an einen Computer weitersendet. Mithilfe dieser Informationen kann die genaue Position des Balls errechnet werden. Überschreitet er die Torlinie, empfängt der Schiedsrichter auf seiner Uhr einen entsprechenden Hinweis. "Die Entscheidung muss sofort sichtbar sein", sagt Winckler, das sei eine Voraussetzung der Fifa für die Zulassung.

Wendepunkt in der Geschichte der Torlinientechnologie: Nachdem der Schiedsrichter bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika einen Treffer des Engländers Frank Lampard gegen Deutschland nicht anerkannt hatte, wurden die Rufe nach einer technischen Lösung immer lauter.

(Foto: Getty Images)

Wichtig ist auch, dass die Installation der Technologie schnell vonstatten geht, denn der Confederations Cup beginnt schon Mitte Juni dieses Jahres. Das Verlegen des Cairos GLT Systems, so Winckler, dauert nur einen Tag und der Rasen ist nach zwei bis drei weiteren Tagen wieder zugewachsen. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Ausstattung der Ballblase mit dem Sensor einfach und für jeden Hersteller möglich ist. Dem Einsatz des Cairos Systems stünde demnach eigentlich nichts mehr im Weg - abgesehen von der Fifa.

Bisher hat der Fußballverband nur vier Lizenzen für die Torlinientechnologie vergeben: ein Hersteller aus Großbritannien ist auf eine Kameratechnik namens "Hawk-Eye" spezialisiert; ebenfalls kamerabasiert geht die Technologie "Goal-Control" einer Firma in Würselen bei Aachen vor; ähnlich wie Cairos Technologies AG nutzt ein dänisches Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut ein Magnetfeld für die Technologie "Goalref". Sie alle können sich jetzt für die Ausstattung der Stadien beim Confederations Cup und der Weltmeisterschaft, aber auch später bei Ausschreibungen der englischen Premier League oder der Bundesliga bewerben.

Eine Entscheidung der Fifa wird im April erwartet. Chancen rechnet man sich bei Cairos auf jeden Fall aus, doch sicher sein könne man natürlich nicht. Trotzdem bleibt das Unternehmen bis zur Beschlussverkündung des Verbands nicht untätig: die Mitarbeiter bereiten alles so weit wie möglich vor, damit sie bei einer Zusage der Fifa nur noch packen und nach Brasilien fliegen müssen. Wie das Unternehmen genau vorgeht, darf es aufgrund von Auflagen der Fifa nicht verraten. Sicher ist aber, dass die Zeit drängt.

Immer wieder Wembley

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