Kraftwerk-Modernisierung:Töging zeigt, wie es geht

Kraftwerk-Modernisierung: Die alten Turbinen werden bald ganz still stehen.

Die alten Turbinen werden bald ganz still stehen.

(Foto: Matthias Köpf)

Statt weiterhin zahllose Flüsse und Bäche mit Kleinkraftwerken zu verbauen, sollten die großen Anlagen modernisiert werden - so wie das Innkraftwerk im oberbayerischen Töging.

Kommentar von Christian Sebald

So macht Wasserkraft Sinn, für die Energiewende und den Klimaschutz ebenso wie für die Umwelt. Die neuen Turbinen des Töginger Innkraftwerks liefern ungefähr 140 Millionen Kilowattstunden Strom mehr im Jahr als die alten. Das ist auf einen Schlag so viel erneuerbarer Strom mehr wie knapp 36 000 Haushalte verbrauchen. Aber dieses Plus ist es nicht alleine. Die Verbund AG, die das Töginger Kraftwerk betreibt, hat parallel zu dessen Modernisierung viel Geld in ökologische Projekte im Umfeld der Anlage investiert - in neue Laichgebiete für Fische zum Beispiel. Natürlich wird der über alle Maßen kanalisierte Inn damit nicht zu dem Wildfluss, der er einst war. Aber Flora und Fauna im und am Strom profitieren. Das ist ebenso wichtig wie der Beitrag der neuen Anlage zur Energiewende und zum Klimaschutz.

Zugleich zeigt das Projekt, wie überflüssig im Grunde genommen die vielen zum Teil winzig kleinen Wasserkraftwerke in Bayern sind. Die 2200 kleinen und kleinsten Wasserkraftwerke in Bayern - das ist mehr als die Hälfte des gesamten Anlagenparks - produzieren zusammen ungefähr 117 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Deutlich weniger also, als allein die Modernisierung der Töginger Anlage bringt. Dabei ist der ökologische Preis gerade für die kleinen und kleinsten Wasserkraftwerke besonders hoch. Um die 90 Prozent der Bäche und kleineren Flüsse in Bayern sind kanalisiert und mit Wehren so zugestellt, dass Fische und anderen Wasserlebewesen kaum noch Lebensräume darin haben.

Wer es deshalb ernst meint damit, dass die Wasserkraft einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz leisten soll, der sollte endlich aufhören, den kleinen Anlagen das Wort zu reden. Allen voran gilt das für Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW), der sich immer wieder für sie einsetzt. Er sollte stattdessen auf die Modernisierung der knapp 240 großen Anlagen an den Flüssen in Bayern setzen. Und zwar nicht nur wegen des vielen zusätzlichen erneuerbaren Stroms, den sie liefern könnten. Sondern weil ihre Betreiber auch viel für Flora und Fauna an und in den Flüssen tun können. Die Verbund AG hat mit dem Kraftwerk Töging gezeigt, wie es geht.

© SZ vom 20.09.2021
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