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Tierwohl:Über Ungarn nach Usbekistan

Wieder umstrittener Export von Rindern aus Bayern - trotz Protests

Von Christian Sebald, Mühldorf

Der Zuchtverband für Fleckvieh Oberbayern-Ost in Mühldorf ist erneut im Visier der Veterinärbehörden. Der Grund ist mindestens ein Export von 30 Rindern aus Ober- und Niederbayern von Mühldorf aus nach Ungarn und weiter nach Usbekistan. Solche Rinder-Exporte sind wegen der Qualen, die die Tiere dabei erleiden, höchst umstritten. Und zwar auch bei den Amtstierärzten. Schon seit Monaten weigern sich immer wieder Veterinäre, den Exporteuren die erforderlichen Papiere für die Transporte auszustellen. Diese wiederum finden offenbar aber immer wieder Schlupflöcher. So hat der Mühldorfer Zuchtverband laut Landratsamt Landshut jetzt den Amtstierärzten gegenüber angegeben, dass die 30 Rinder nach Ungarn exportiert werden und dort bleiben sollen. Tatsächlich seien die Tiere jedoch von Ungarn aus "ohne große Umschweife" Tausende Kilometer weiter nach Usbekistan transportiert worden.

Die Exporte von Nutztieren in ehemalige Sowjetgebiete, nach Nordafrika und in die Türkei schlagen immer wieder hohe Wellen. Dabei müssen die Rinder tagelang Hitze oder Kälte erdulden, sie haben kaum Platz auf den Lastwagen, bekommen viel zu wenig zu trinken und zu fressen. An den Zielorten werden sie früher oder später unter meist grausamen Bedingungen geschlachtet. Deutschlandweit weigerten sich seit Anfang 2019 Amtstierärzte, die für die Transporte notwendigen Papiere auszustellen. Der Landshuter Landrat Peter Dreier (FW) zählte bundesweit zu den ersten Politikern, die gegen die umstrittenen Exporte mobil machten. Auch Umweltminister Thorsten Glauber (FW), der für das Veterinärwesen zuständig ist, schaltete sich ein. "Tierschutz endet nicht an der Landesgrenze", sagte Glauber und versprach, dass es von Bayern aus keine Rinder-Exporte mehr geben werde, mit denen vorhersehbar Tierschutzvorgaben verletzt werden. Auf einer Tabu-Liste seines Ministeriums stehen 17 Staaten, darunter auch Usbekistan. Erst unlängst hat Glauber wieder die EU-Kommissarin Stella Kyriakides, die für Tiertransporte zuständig ist, aufgefordert, die umstrittenen Exporte zu unterbinden. "Die rechtlichen Schlupflöcher für solche Ausfuhren müssen geschlossen werden", sagt Glauber. Der Mühldorfer Landrat Max Heimerl (CSU) bekräftigt: "Wir tolerieren keine Verstöße gegen den Tierschutz, deshalb ermitteln wir gründlich." Heimerls Landshuter Kollege Dreier fordert "den sofortigen Stopp der illegalen Praxis". Der Geschäftsführer des Fleckvieh-Zuchtverbands Oberbayern-Ost, Josef Frank, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

© SZ vom 18.09.2020

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