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Tierschutz:Allgäuer Landräte kritisieren Glauber

Umweltministerium lasse Veterinärämter seit Jahren im Stich

Im Tierschutz-Skandal um drei Milchvieh-Großbetriebe in Bad Grönenbach haben die Allgäuer Landräte Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) aufgefordert, das Personal der Veterinärbehörden an ihren Landratsämtern aufzustocken. "Tatsache ist - und da gibt es nichts zu beschönigen -, dass unsere Veterinärämter hinsichtlich ihrer Personalausstattung vom Umweltministerium seit Jahren kläglich im Stich gelassen werden", heißt es in einem Brief von Hans Joachim Weirather (FW, Unterallgäu), Maria Rita Zinnecker (CSU, Ostallgäu), Anton Klotz (CSU, Oberallgäu) und Elmar Stegmann (CSU, Lindau) an Glauber. All die Rufe, dass in den Allgäuer Landkreisen dringend weitere Amtstierärzte benötigt würden, seien aber ungehört verhallt. Der Freistaat habe vielmehr in entgegengesetzter Weise reagiert. Statt die Veterinärämter mit mehr Personal auszustatten, seien ihnen über die Jahre hinweg zusätzliche neue Aufgaben übertragen worden.

Weirather, Zinnecker, Klotz und Stegmann üben außerdem scharfe Kritik an Glaubers Ankündigung, die Kontrollen von landwirtschaftlichen Großbetrieben neu zu gestalten. Danach soll künftig die zentrale Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) auch für die Überwachung der 85 größten Rinder- und Schweinhaltungen in Bayern zuständig sein. Dafür erhält die KBLV, die derzeit in Kulmbach und in Erding untergebracht ist, 25 neue Stellen und zwei weitere Dienstsitze. Glauber verspricht sich davon unter anderem eine Entlastung der Veterinärämter an den Kreisbehörden. Die Landräte widersprechen. Ihrer Überzeugung nach bringt die Neuorganisation ihren Amtstierärzten keine wirkliche Entlastung. Sie erläutern das am Beispiel des Landkreises Unterallgäu. Dort gebe es aktuell mehr als 1500 Rinderhalter. Aber nur vier Großbetriebe mit vier bis fünf Prozent der Rinder in der Region sollen nach Glaubers Plänen in die Hoheit der KBLV überführt werden. "Wir brauchen - davon sind wir überzeugt - keine neuen Behörden oder zentralisierten Zuständigkeiten", schreiben die Landräte, "wir brauchen vielmehr eine solide personelle Ausstattung der Veterinärämter."

Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) kündigte an, die Förderung der Viehhaltung stärker am Tierwohl und am Umweltschutz auszurichten. "In einem Betrieb müssen Fläche und Zahl der Tiere zusammenpassen", sagte sie. Das diene den Tieren und dem Gewässerschutz. Deshalb wolle sie eine Obergrenze bei der Förderung einziehen. "Wir sagen: Eine Förderung gibt es nur bis zwei Großvieheinheiten pro Hektar - das wären grob gesagt zwei Rinder pro Hektar", sagte Kaniber. Die Staatsregierung wolle die bäuerlichen Strukturen bewahren. Deshalb unterstütze sie auch Milchbauern, "die aus der Anbindehaltung rauswollen und einen Laufstall bauen oder auf Weidehaltung umstellen". Das Umweltministerium erklärte, es werde sich für eine personelle Verstärkung der Veterinärämter einsetzen.