Stimmen zum Aus der Biermösl Blosn:"Eigenwillig, aufmüpfig, dickschädelig"

Nach 35 Jahren löst sich die bayerische Kultband Biermösl Blosn auf. Die Süddeutsche Zeitung hat Politiker und Kabarettisten um ein Statement geben. In Bildern.

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Dieter Hildebrandt bedauert Aus für Biermösl Blosn

Quelle: dpa

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"Gott mit dir, du Land der Baywa, deutscher Dünger aus Phosphat. Über deinen weiten Fluren liegt Chemie von fruah bis spaat." Schluss, aus, vorbei: Nach 35 Jahren Bandgeschichte und über 20 Schallplatten, CDs und DVDs hängt die bayerische Musikgruppe Biermösl Blosn ihre Instrumente an den Nagel. "Wir wollen nicht wie Papageien klingen und unsere Texte immer nur wiederholen", erklärt Hans Well die gut überlegte Entscheidung. Mit ihrer Mischung aus volkstümlicher Musik und politischem Kabarett erreichten sie auch über die bayerischen Landesgrenzen hinaus Kultstatus. Ab 20. Januar, der Tag an dem das letzte Konzert des Trios stattfinden soll, wird Biermösl Blosn dann vom Kult zur Legende werden.

Was denkt wohl die bayerische Politik- und Kabarettprominenz über Biermösl Blosn, ihren Rücktritt und 35 Jahre musikalischen Widerstand? Wir haben nachgefragt.

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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Hans-Jochen Vogel, Alt-Oberbürgermeister von München, ehemaliger SPD-Vorsitzender

"Die Biermösl Blosn waren kritische Beobachter und Begleiter. Sie haben ihre Meinung in einer mitunter derben, aber immer anschaulichen Sprache geäußert und auch oft Recht behalten. Dass sie sich trennen, bedaure ich, aber so ist das Leben."

Untersuchungsausschuss zur Bayerischen Landesbank

Quelle: ddp

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Erwin Huber, ehemaliger CSU-Vorsitzender

"Unvorstellbares ereignet sich in Bayern: Erdbeben in Oberfranken, Gletscher kalben, Atomkraft läuft aus, die Biermösl Blosn löst sich auf. Sie hat mich oft geärgert die letzten 35 Jahre. Dennoch: keine Schadenfreude, Wehmut kommt auf. Die Biermösl Blosn ist nicht nur Kult in und aus Bayern, sie ist bayerische Kultur, ja mehr, ein Teil der bayerischen Seele. Sie verkörpert bayerischen Charakter, Eigenwilliges, Aufmüpfiges, Dickschädeliges, Widerständisches, das zu Bayern gehört, wie die Gebirgsschützen, das Weiß-Blau und die CSU. Servus!''

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Quelle: Robert Haas

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Dieter Hildebrandt, Kabarettist

"Den Drei von der Biermösl Blosn bin ich erstmals in den Siebziger Jahren begegnet bei einer Protestveranstaltung gegen die Einflussnahme der CSU auf das bayerische Rundfunkgesetz. Da haben wir uns angefreundet. Für mich war völlig neu, was die machten. Wir wurden sofort Verbündete in der Sache: der Kritik an dieser Regierung in Bayern. Dass die Jubelstürme immer die Biermösl ernten, damit muss man rechnen, wenn man mit ihnen auftritt. Dass die jetzt aufhören, ist ein herber Verlust, nicht nur für ganz Bayern.''

Grüne in Bayern - Sepp Dürr

Quelle: dpa

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Sepp Dürr, Kultur- und Forschungspolitischer Sprecher der Grünen

"Ich habe sie immer gern gehört. Sie hatten - glaube ich - eine doppelte Funktion. Sie waren nicht nur kritisch und haben damit auch zur Modernisierung beigetragen, sondern hatten auch eine Entlastungsfunktion, weil sie gezeigt haben, dass wir Bayern eigentlich gar nicht so schlimm sind. Sie waren ein grünes Zeitgeistphänomen, noch bevor es die Grünen gab.''

Franz Maget, 2005

Quelle: lok

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Franz Maget, Vizepräsident des Bayerischen Landtags, SPD

"Sie waren ein politisches Schwergewicht. Mit ihren Liedern konnten sie oft mehr bewegen, als ich mit meinen Reden. Das lag auch am Format. Man muss dazu ein großartiger Musiker sein, nur freche Texte reichen da nicht. Aber eines Tages werden auch die wieder auf der Bühne stehen und das wird dann ein großes Fest.''

Gerhard Polt, 2002

Quelle: DPA-SZ

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Gerhard Polt, Kabarettist

"Ich war ja nolens volens immer mit dabei. Dass es so gekommen ist, bedaure ich; dass sie als Gruppe aufhören, das ist sehr traurig. Aber als einzelne Personen gibt es die Biermösl Blosn ja weiter; die leben einigermaßen gesund und munter, und jeder schaut, so weit ich weiß, wohlgemut in die Zukunft. Aber so ist es eben: Alles geht mal zu Neige. Es ist nichts Beständiges in der Welt. Aber wir fallen alle nicht in ein Loch.''

© SZ vom 27.08.11/benK
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