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Sponsoring:Miesbach war "ein Ausreißer"

Nach der Affäre Kreidl sind die Sparkassen sparsamer geworden

Die Selbstbedienungs-Affäre um den früheren Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU) hat die Chefs der bayerischen Sparkassen zur Sparsamkeit animiert. Sie gönnen sich nun bescheidenere Geschenke. "Einen zweiten Fall Miesbach gibt es nicht", fasste Michael Ziegler vom Innenministerium am Mittwoch im Landtag einen Bericht zusammen, der Spenden und Sponsoring untersucht. Im Jahr 2014 hätten von den 71 Sparkassen 68 "die Grundsätze guter und verantwortungsvoller Unternehmungsführung vollumfänglich eingehalten", sagte er. Die Sparkasse Miesbach aber hatte nicht nur die 118 000 Euro teure Geburtstagsfeier ihres Verwaltungsrates, des damaligen Landrats Kreidl bezahlt. Sie kaufte zudem eine Alm und den Psallierchor im Kloster Tegernsee für jeweils 1,5 Millionen Euro. Kreidl kostete der Skandal das Amt, die Sparkasse den Ruf. Daraufhin ließ das Innenministerium alle Sparkassen überprüfen.

2014 förderten demnach zwei andere Geldhäuser Veranstaltungen mit insgesamt 5200 Euro, ohne dass es einen Bezug zur Sparkasse gab. Eine andere gewährte ihrem Vorstandsvorsitzenden jahrelang eine sehr günstige Miete in einem ihrer Gebäude, die nun angeglichen wurde. Im Jahr 2015 wurde kein Verstoß festgestellt. Die Zuwendungen an Verwaltungsrat und Vorstand gingen sogar um bis zu 45 Prozent zurück. Dies hänge auch mit den Wahlen 2014 zusammen, nach denen viele Verwaltungsräte ausschieden und Geschenke bekamen, sagte Ziegler. Inzwischen hielten sich die Sparkassen mit Präsenten zurück. "Die notwendige Sensibilisierung hat somit Wirkung gezeigt", sagte er.

Damit zeige sich, dass sich Miesbach als "ein großer Ausreißer in der Sparkassenfamilie erwiesen hat", sagte Paul Wengert (SPD). "Grenzwertig" nannte er aber, dass manche Vorstände Abschiedsgeschenke von mehr als 3000 Euro bekämen, obwohl der Mittelwert bei 126 Euro liege. Auch ein Geburtstagsgeschenk für fast 400 Euro sei unangemessen. Zahlungen für den Golfklub könnten Vorstandsmitglieder selbst übernehmen, meinte Jürgen Mistol (Grüne). Er und Joachim Hanisch (FW) fordern, die Prüfungsstrukturen zu überdenken, damit ein Fall Miesbach sich nicht wiederhole. Miesbach sei den Prüfern "durchgerutscht", sonst gebe es "keine Defizite", sagt ein Ministeriumssprecher.

© SZ vom 13.10.2016 / nell
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