Sozialdemokraten in Bayern 71-Jähriger fordert SPD-Landeschef Pronold heraus

  • Am Wochenende wählen die Sozialdemokraten in Bayern einen neuen Vorsitzenden.
  • Landeschef Florian Pronold bekommt Konkurrenz - von einem 71-jährigen Bilderbuchbayern aus Abensberg.
  • Das Video von Walter Adam ist bei Facebook schon der Renner.
Von Katja Auer, Abensberg/Hirschaid

Als ob er gerade von einer Alm heruntergestiegen wäre, sitzt der Mann mit Rauschebart im Janker unter einem Kirschbaum. Die Vögel zwitschern. Vor sich auf dem Gartentisch hat er einen Keferloher stehen. Und sagt im schönsten Niederbairisch: "I bin a bayerischer Sozialdemokrat."

Ein rebellischer noch dazu, denn der 71-jährige Musiker aus Abensberg, den man, ohne allzu klischeehaft zu werden, getrost als Bilderbuch-Bayern bezeichnen darf, will am Wochenende den SPD-Landesvorsitzenden Florian Pronold stürzen.

Beim Parteitag in Hirschaid wird er selbst kandidieren. Sein Wahlvideo hatten am Dienstagnachmittag, wenige Stunden nach der Veröffentlichung auf der Internet-Plattform Facebook, schon mehr als 10 000 Menschen angeklickt.

Urbayer und Ursozi

Der preisgekrönte Filmemacher Konstantin Ferstl hat es gedreht. Er ist selbst Mitglied im SPD-Ortsverein Abensberg. Dass da ein Urbayer zu sehen ist, also einer, den man der SPD gar nicht zutraut, macht den Film reizvoll. Und dass da ein Ursozi zu sehen ist, wie sie selten geworden sind, macht ihn schmerzvoll für die Partei. 46 Jahre ist Walter Adam in der SPD, aber jetzt reicht es ihm.

Er sei kein Total-Linker, sagt er, auch wenn er bei den Schwabinger Krawallen dabei war und in die SPD eintrat, weil er für Frieden und soziale Gerechtigkeit einstehen wollte. Er habe auch Freunde in der CSU, sagt er.

Mit dieser allerdings zu koalieren, um endlich mitzuregieren, wie es Pronold kürzlich angedacht hat, geht Adam endgültig zu weit. "Wir waren eine Partei der Mutigen", sagt er in dem Anderthalb-Minuten-Film. "Heute spielen wir den sozialen Flügel der Union."

Die Parteispitze opfere sozialdemokratische Grundwerte "für Machterhalt und bloßes Mitmachen". In Berlin lasse sich die SPD von Angela Merkel dominieren und nun wolle Pronold in Bayern "ins Bett der CSU schleichen". Dass es in der Partei darüber keinen Aufstand gebe, ärgere ihn, sagt Adam. Also inszeniert er ihn selber.

Unterstützt von seinem Ortsverband, in dem viele enttäuscht sind von Pronold. Frischen Wind hatte man sich erhofft. "Gekommen ist nicht mal ein laues Winderl", sagt Adam, der nicht verwandt ist mit dem Regener Landrat Michael Adam, der ebenfalls schon mehrmals lautstark mit Pronold im Clinch lag.

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Es ist eine harte Kritik, und es ist ein Aufstand. Zwar wird immer wieder an Pronold rumgenörgelt, auch gilt er an der Basis nur als mäßig beliebt. Trotzdem war mit einer recht problemlosen Wiederwahl des 42-Jährigen gerechnet worden.

Adam selbst, der bis zu seiner Pensionierung Realschullehrer war und als "Muhakl" Volksmusik macht, malt sich keine allzu großen Chancen aus. Aber aufrütteln wolle er die Genossen mit seiner Kandidatur und "die Partei aus ihrer Harmoniewelt rausholen".

In der SPD-Zentrale am Oberanger betonte man am Dienstag die absolute Normalität eines solchen Vorgangs, auch wenn sich kaum einer an die letzte Gegenkandidatur erinnern kann. Noch dazu von Landsmann gegen Landsmann.

Pronold stammt selbst aus Niederbayern, einen Bilderbuch-Bayern hat ihn allerdings noch keiner genannt. Da hilft bei ihm auch kein Trachtenjanker. Walter Adam bräuchte den vermutlich gar nicht. In seinem Wahlvideo hat er ein Credo ausgegeben. Gerade nicht: Mir san mir. Sondern: "Mir san für euch da."

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