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Schülerzeitungen:Lohn der Mühe

Rollenspiel im Schatten der Basilika: In Münsterschwarzach beschäftigten sich Schüler mit Klischees.

(Foto: Anna Günther)

Die Gewinner des Blattmacher-Wettbewerbs 2017/18 erhalten nicht nur Preisgeld, sondern auch ideelle Förderung. 300 Schüler besuchten Kurse und diskutierten über Medien

Ein Junimorgen am Main, die Sonne brennt. 16 Oberstufenschüler stehen in loser Formation im Halbschatten neben der Basilika der Benediktinerabtei Münsterschwarzach und wundern sich. Die Gymnasiasten halten Zettel in der Hand, orangefarben, laminiert. Darauf stehen Beschreibungen wie "Du bist 18 Jahre alt, hast keinen Wohnsitz und dunkle Haut", "Du bist katholisch, hast helle Haut und eine uneheliche Tochter", oder "Du bist ein 16-jähriger Junge, deine Hautfarbe ist hell, du bist katholisch". Diese Beschreibungen haben die Schüler gezogen, sich in diese Rollen hineinversetzt. Da standen sie noch alle in einer Reihe. Nach wenigen Minuten aber sind Mädchen und Buben über den Hof verteilt. Mit jeder Frage, die der Nürnberger Theaterpädagoge Jörg Hundsdorfer stellt, bewegen die Schüler sich weiter auseinander. Hat die Figur ein eigenes Auto? Hat sie Erfolg im Leben? Wurde sie schon mal begrapscht? Einige bewegen sich voran, wenn sie zustimmen. Andere bleiben zurück. Was soll das?

"Auf den Kärtchen stehen nur hard facts, eure Position und eure Auslegung der Rolle passiert in euren Köpfen", sagt Hundsdorfer. Er will die Schüler sensibilisieren, sie ermuntern, Klischees und Vorurteile zu hinterfragen. Eine erste Wirkung scheint das Spiel zu haben: "Ich habe gar nicht wahrgenommen, dass so viele hinten geblieben sind", sagt Nicola Funcke, die vorne steht. "Es war krass zu sehen, wie viel für uns selbstverständlich ist und für andere unerreichbar", pflichtet Emily Erb bei. Im zweiten Spiel lässt Hundsdorfer die Schüler über konkrete Klischees diskutieren. Hoch geht es her bei der Frage, ob es diskriminierend ist oder ein Kompliment, zu sagen: "Schwarze haben ein besseres Rhythmusgefühl". Die Schüler sind uneins. Für Hundsdorfer ist klar: "Auch wenn es positiv gemeint wäre, werden sie auf ihre Hautfarbe reduziert." Diskriminierung.

Während die eine Gruppe so debattiert, diskutiert SZ-Bayernchef Sebastian Beck mit einigen Schülern über manipulierte Pressefotos, den Youtuber Rezo, das Ibiza-Video um Österreichs Ex-Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache und die Grenzen journalistischer Freiheit. Diese Workshops sind Teil des Angebots, mit dem Süddeutsche Zeitung und Nemetschek Stiftung in den vergangenen Wochen vier Schulen belohnten. Gut 300 Schüler des Egbert-Gymnasiums Münsterschwarzach, der Realschule Kemnath und der Georg-Göpfert-Mittelschule Eltmann besuchten Kurse zu "Journalismus und Ethik", "Campaigning und Storytelling", "Dialogkultur" sowie "Fake News und Recherche". Diese Schülerzeitungsredaktionen hatten im Blattmacher-Wettbewerb von SZ und bayerischem Kultusministerium den ersten Platz in ihrer Kategorie gewonnen und kamen in den Club der Besten. Seit 2011 bekommen dessen Mitglieder neben Preisgeld auch ideelle Förderung und suchen die Blattmacher-Sieger des Folgejahres mit aus, dafür müssen sie aber eine Runde aussetzen. In diesem Jahr profitierte erstmals jede Schule, nicht allein die Redaktion. Die aber erhielt nachmittags noch einen eigenen Kurs.

Die Blattmacher-Gewinner der Beruflichen Schulen bekamen ein besonderes Angebot: 30 Mädchen und Buben des Beruflichen Schulzentrums Schwandorf fuhren mit dem Schiff von Regensburg die Donau hinab zur Walhalla. Die Redaktion von W.I.R - Weil International rockt besteht aus Schülern der Integrationsklassen, die Workshops hätten diese Jugendlichen, die gerade erst Deutsch lernen, überfordert. Mit ihrem Ausflug und einer Führung durch den Ruhmestempel von König Ludwig I. schienen die Schüler und ihre Lehrerinnen aber sehr zufrieden zu sein: Der Erlebnisbericht für die neue W.I.R fiel euphorisch aus und die Selfie-Dichte war selbst für die Walhalla - eine der Top-Foto-Kulissen im Raum Regensburg - extrem hoch.

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Blattmacher-Schülerzeitungswettbewerb

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Eine überraschende oder geheimnisvolle Titelseite gehört zu einer gelungenen Schülerzeitung wie die Texte. Dabei beweisen die jungen Redakteure immer wieder viel Kreativität. Eine Auswahl der besten Sieger-Cover 2017/18   Von Anna Günther

Premiere hatten die neuen Workshops Ende Mai an der Mittelschule Eltmann. Dort verlängerte Schulleiter Raimund Willert das Programm gleich in den Abend: Lehrer, Eltern und Lokalpolitiker diskutierten mit SZ und Silke Zimmermann von der Nemetschek Stiftung über die Digitalisierung und wie diese Medien, Demokratie sowie Schulen verändert. Wie die anwesenden Nachwuchsjournalisten des Wallburg Express das alles fanden, wird in der nächsten Ausgabe nachzulesen sein.

Zum 14. Mal suchen Kultusministerium und SZ die besten drei Print-Zeitungen aus Grund-, Mittel-, Förder- und Realschulen sowie aus Gymnasien und Beruflichen Schulen. Die Sieger bekommen Geldpreise und eine journalistische Förderung. Ausgezeichnet werden auch drei Online-Ausgaben. Bis Mittwoch, 26. Juni 2019 (Poststempel), können Redaktionen Exemplare einschicken. Die besten fahren Mitte Juli 2019 zur Siegerehrung nach München. Weitere Infos dazu: www.sz.de/blattmacher.