Rottach-Egern Straße sinkt bei Geothermie-Bohrung um zwei Meter ab

  • Bei einer Erdwärmebohrung ist in Rottach-Egern am Tegernsee eine Straße um fast zwei Meter abgesackt.
  • Mitarbeiter einer Geothermiefirma hatten eine Wasserblase angestoßen, wie das zuständige Landratsamt mitteilte.
Von Matthias Köpf

Am Dienstagabend um 19.20 Uhr gibt in der Lindenstraße in Rottach-Egern plötzlich der Boden nach. Der Asphalt reißt auf und sackt mitsamt den oberen Erdschichten und einer Linde zwei Meter in die Tiefe. Menschen sind dort zu der Zeit nicht unterwegs, doch Anwohner beobachten, wie der Boden einsinkt. Polizei und Feuerwehr sperren die Straße und die Zufahrt von der B 307, schließen den benachbarten Drogeriemarkt und holen die Menschen aus mehreren umliegenden Wohnhäusern.

Sie müssen die Nacht bei Verwandten oder Bekannten verbringen, einer schläft in einem Hotel. Zurück bleiben eine Senke von 20 Metern Durchmesser, die Helfer vom Technischen Hilfswerk und eine noch viel größere Verunsicherung am Südufer des Tegernsees.

Wie es zum absinken der Straße kommen konnte

Dabei deutet schnell einiges auf eine Erdwärme-Bohrung als Auslöser hin. Das Bohrgerät steht am Tag danach noch auf der Baustelle neben der Straße. Arbeiter einer Geothermie-Firma haben damit einige Stunden vor dem Erdrutsch ein mehr als 40 Meter tiefes Loch in den Untergrund getrieben, über das der Neubau mit Erdwärme versorgt werden sollte. Sie seien dabei auf eine Grundwasserblase gestoßen, heißt es am Mittwoch von den Behörden. Als das Wasser weg war, soll das darüber liegende Erdreich in den Hohlraum nachgerutscht sein.

Mit der Straße sind auch die darunter liegenden Wasserleitungen und Kanäle verrutscht. Wie stabil der Boden um die Wohnhäuser und den Drogeriemarkt noch ist und ob der Untergrund womöglich weiter nachgeben könnte, das soll nun ein Geologe klären. Die Höhe des Sachschades haben ein Rathaus-Mitarbeiter und die Polizei schon am Abend vorläufig auf mehrere Hunderttausend Euro geschätzt.

Wer dafür aufkommen muss, ist offen. In Frage kommen dafür etwa der Bauherr des neuen Wohnhaues, das Geothermie-Unternehmen oder die Behörden, die die Bohrung so genehmigt haben. In Rottach-Egern geht nun die Sorge um, dass es angesichts immer neuer Bauprojekte mit Erdwärme-Heizungen zu weiteren Erdrutschen kommen könnte. Kritiker der regen Bautätigkeit im Tegernseer Tal weisen auch schon seit längerer Zeit auf Risiken hin, die sich aus ihrer Sicht etwa durch veränderte Grundwasserströme wegen der vielen Tiefgaragen an den Hängen über dem Seeufer ergeben könnten.