Psychiater im Fall Mollath Das erste umfassende Gutachten

Das erste umfassende Gutachten in der Sache stammt 2005 von Klaus Leipziger, Chefarzt der Klinik für Forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Grundlage sind nach seinen Angaben die Gerichtsakten und die "Erkenntnisse", die Klinikmitarbeiter über Mollath gewonnen haben, seit dieser von Februar 2005 an gegen seinen Willen für fünf Wochen zur Begutachtung dort untergebracht wurde. Untersucht hat Leipziger Mollath nicht. Wie im Gutachten beschrieben, lehnte es Mollath ab, mit ihm ohne Zeugen zu sprechen. Mollath misstraue dem Arzt - wegen dessen Verhaltens in der Klinik.

Mollath sitzt seit fast sieben Jahren in der Psychiatrie - wegen angeblichem Schwarzgeldwahn. Inzwischen steht fest: viele seiner Vorwürfe sind wahr.

(Foto: Report Mainz/dapd)

Auffällig, schreibt Leipziger in seinem Gutachten, sei das "negativistische Weltbild" Mollaths, in dem dieser "der Benachteiligte" sei: "Es mutet an, dass es sich um ein paranoides Umdenken handelt, insbesondere die 'Schwarzgeldkreis'-Verschwörung gegen ihn." Frage man Mollath, ob er Stimmen höre, so antworte dieser: Er höre "eine innere Stimme, die ihm sage, er sei ein ordentlicher Kerl".

In einem Gespräch mit der Oberärztin habe Mollath geäußert, er sei "nur seinem Gewissen verpflichtet. Er kämpfe für die Menschenrechte, setzte sich gegen Geldwäscherei ein". Auf der Station sei Mollath "meinungsweisend tätig" gewesen: Er habe Schriftstücke verfasst und diese auf der Station aufgehängt.

Der Befund Leipzigers 2005 wird sich später fast identisch im Urteil des Nürnberger Landgerichts 2006 finden: Mollath habe "in mehreren Bereichen ein paranoides Gedankensystem" entwickelt. Leipziger nennt "den Bereich der Schwarzgeldverschiebungen, in dem der Angeklagte unkorrigierbar der Überzeugung" sei, eine Reihe von Personen aus dem Geschäftsfeld seiner Ex-Frau, diese selbst "und nunmehr auch beliebige weitere Personen" seien in dieses komplexe System der Geldverschiebung verwickelt. Als einzige dieser beliebigen Personen benennt Leipziger - wie später auch das Urteil am Landgericht - einen Gerichtsgutachter. Dieser freilich hatte sich selbst für befangen erklärt.

Neben dem angeblichen Schwarzgeldwahn Mollaths nennt Leipziger einen weiteren wesentlichen Punkt des "paranoiden Systems". Es sei dessen "krankhaft überzogene Sorge um seine Gesundheit, die Ablehnung der meisten Körperpflegemittel". Tatsächlich hatte Mollath in den ersten Tagen seines erzwungenen Aufenthalts in Bayreuth darauf hingewiesen, er wasche sich aufgrund diverser Allergien seit Jahren lediglich mit Kernseife. Als er eine solche nicht bekommt, weigert er sich aus Protest zunächst, sich zu waschen. Ende Februar 2005 folgt der Eintrag in den Klinikakten, Mollath führe "seine Körperhygiene nun selbst (mit Kernseife)" durch. Er zeige nun ein "äußerlich ordentliches Erscheinungsbild", trinke viel Tee und Mineralwasser, habe "regen Kontakt mit einem Mitpatienten" und mache "Gesellschaftsspiele im Aufenthaltsraum". Gefehlt hat ihm bis dahin offenbar: eine Kernseife.