Prozess um Polizeieinsatz Die zweite Version des Vorfalls

Aloisia E. habe versucht, die Beamten zu fotografieren, als ihr das verwehrt wurde, habe sie eine Beamtin geschubst, schließlich sei auch sie gefesselt worden. Sie habe dann zwei Beamte als "Grattler" und "grobe Säue" bezeichnet, was ihr auch eine Anklage wegen Beleidigung einbrachte.

Die Polizei in Rosenheim: Mehrmals gerieten die Beamten bereits in Kritik. Ein 15-Jähriger soll auf der Wache vom Polizeichef zusammengeschlagen worden sein.

(Foto: dpa)

Die vier Angeklagten stellen den Vorgang wesentlich anders dar. Die beiden Zivilpolizisten seien von Anfang an barsch und aggressiv aufgetreten, sagt Sandra B., und hätten sie völlig grundlos beschuldigt, sie halte Informationen über den gesuchten Mann zurück. Als sie sich die Namen der Beamten aufschreiben wollte, sei sie festgehalten und mit Fäusten geschlagen worden. Auch ihr Ehemann berichtet, er sei am Hals gepackt und in den Bauch geboxt worden.

Josef E. beschuldigt die Polizisten, sie hätten ihn mit gröbster Gewalt in den Schwitzkasten genommen und mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen, so dass er vorübergehend ohnmächtig wurde. Als er wieder aufwachte, habe ihn ein Polizist am Arm gerissen, "dass ich vor Schmerzen fast verrückt geworden bin" und habe ihm dann mit voller Wucht ein Knie auf den Hals gedrückt. Aloisia E. berichtet, sie sei von einer Beamtin zu Boden geworfen und in die Nieren geschlagen worden.

Alle vier Familienmitglieder wurden nach dem Vorfall im Klinikum Rosenheim behandelt. Dort wurde bei Sandra B., Toni B. und Aloisia E. jeweils ein stumpfes Bauchtrauma diagnostiziert, bei Sandra B. Verstauchungen am linken Daumen und am rechten Handgelenk, bei Josef E. Schürfwunden an Knie und Ellenbogen und eine Schädelprellung.

Für die Verhandlung hat das Amtsgericht den größten zur Verfügung stehenden Saal gewählt, es wird mit erheblichem Publikumsandrang gerechnet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Traunstein sind anonyme Morddrohungen eingegangen; gegen wen sie sich richten, wurde nicht mitgeteilt. Es wurden deshalb erhöhte Sicherheitsmaßnahmen angeordnet. Zuschauer müssen sich ausweisen und werden durchsucht.