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Polizei jagt falsches Raubtier:Prozess um eine Tiger-Ente

Hilfe, freilaufender Tiger! Vier Jugendliche wollen mal richtig die Polizei aufmischen - und wählen den Notruf. Die Beamten rücken mit Hubschrauber und 50 Mann aus, dann stellt sich heraus, dass alles ein Scherz war. Ein ziemlicher teurer Scherz wie sich jetzt vor dem Augsburger Jugendschöffengericht gezeigt hat.

Hans Holzhaider

Sie hielten es wahrscheinlich für eine Superidee: Pietro, 18, Martin, 15, Markus, 15, und Michel,14 (alle Namen geändert) wollten mal so richtig die Polizei aufmischen. Pietro, der älteste, hatte den Plan: Alle vier wählten nacheinander auf ihren Handys die 110, und erzählten aufgeregt, sie hätten gerade einen Tiger gesehen. Im Siebentischwald, einem Naherholungsgebiet unmittelbar neben dem Augsburger Zoo.

Der eine sagte, er sitze auf einem Baum, und der Tiger sei unten auf der Wiese. Der nächste machte es noch dramatischer: Er sei ein Vater und mit seinen zwei Kindern unterwegs, und da sei der Tiger.

Was sollte die Polizei machen? Sie rückte mit 50 Mann aus, ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera stieg auf, auch die Feuerwehr wurde alarmiert. Immerhin fand man schnell heraus, dass der Sumatratiger Jacques friedlich durch sein Gehege im Augsburger Zoo schnürte. Die Rückrufversuche wurden von den vier Jungs zunächst ignoriert, bis dann doch einer ans Telefon ging und eingestand, dass alles ein Scherz war. Allerdings, wie sich jetzt erwies, ein ziemlich teurer Scherz.

Denn das, womit sich die vier ihre Zeit vertreiben wollten, hat im Strafgesetzbuch einen Namen: "Missbrauch von Notrufen", bedroht mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. So fanden sich die Jungs am Donnerstag vor dem Augsburger Jugendschöffengericht wieder, und Richterin Ortrun Jelinek machte ihnen klar, dass es um keine Lappalie ging.

50 Polizisten und zwölf Feuerwehrmänner, die nach einem nicht vorhandenen Tiger suchen müssen, fehlen möglicherweise in dieser Zeit bei viel wichtigeren Einsätzen. Ganz abgesehen von den Kosten: fünf- bis siebentausend Euro kostete der Scherz, und dieses Geld wird die Polizei nun bei den vier Sündern einfordern.

Die Strafen fielen unterschiedlich aus: Pietro, der Älteste, muss zwei Wochen in den Jugendarrest, Martin eine Woche - er hatte bis zur Verhandlung keinerlei Reue gezeigt. Die anderen drei waren auf die Polizei marschiert und hatten sich entschuldigt; Markus hatte sogar noch einen sehr freundlichen Brief geschrieben, deshalb kam er mit einer Verwarnung und der Teilnahme an einem sozialpädagogischen Projekt davon. Michel, der Jüngste, muss immerhin für ein Wochenende in Freizeitarrest.

© SZ vom 27.07.2012/afis

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