bedeckt München
vgwortpixel

Politiker beschäftigen Ehefrauen:Söhne sollen sich um Computer und Homepage kümmern

Auch Innenstaatssekretär Gerhard Eck räumte ein, als Abgeordneter seine Frau zu beschäftigen. Sie erhalte eine "geringe Entschädigung für Überbrückungs- und Aushilfstätigkeiten von netto etwa 750 Euro" im Monat. Er habe eine festangestellte Kraft für seine Abgeordnetentätigkeit, jedoch falle auch am Abend und am Wochenende viel Arbeit an. Eck sagte, er finde den Einsatz seiner Frau als bezahlte Kraft "in Ordnung und legitim, ich habe das immer ordentlich gemacht".

Franz Pschierer, heute Staatssekretär unter Finanzminister Markus Söder, hat jahrelang als Abgeordneter seine Frau beschäftigt. Als er 2008 ins Kabinett berufen wurde, habe er nach eigenen Angaben das Arbeitsverhältnis beendet. Im vergangenen Jahr habe er seine Frau allerdings noch einmal für eine Krankheitsvertretung angestellt, erklärte er.

Deutlich stärker als Familienbetrieb hat Georg Winter, der mächtige Vorsitzende des Haushaltsausschusses, sein Abgeordnetenbüro organisiert. Sowohl seine Ehefrau als auch seine beiden Söhne, 26 und 27 Jahre alt, waren bei ihm beschäftigt, wie er im Gespräch mit der SZ bestätigte. Seine Frau betreute für maximal 400 Euro im Monat das Telefon am Mittwoch und am Wochenende. Seine Söhne kümmerten sich zudem um die Computer. "Sie mussten halt schauen, dass das Betriebssystem und die Homepage läuft." Dafür hätten sie jeweils "mal 100, mal 200 Euro" bekommen.

Ende vergangenen Jahres habe er diese Praxis beendet. Auch der Abgeordnete Eberhard Rotter aus dem Landkreis Lindau beschäftigt seine Frau als Sekretärin. Auf seiner Internetseite zeigt er auch ein Foto sein Frau am Schreibtisch im Stimmkreis-Büro. Rotter findet nichts Anstößiges dabei. "Sie ist eine Top-Fachkraft."

Bei SPD und Grünen, die ebenfalls schon vor dem Jahr 2000 im Parlament saßen, gibt es laut Landtagsamt dagegen nichts Vergleichbares. Ein zunächst genannter SPD-Fall beruhte auf einem Irrtum: Die SPD-Abgeordnete Susann Biedefeld hatte das entsprechende Feld auf einem Formular angekreuzt. Sie hat aber lediglich ihre Schwester für eine 30-Stunden-Woche angestellt. Und solche Beschäftigungsverhältnisse sind weiter völlig legal, über sie gebe es im Landtag auch keine Statistik, hieß es.

Im Parlament sorgte das Thema am Donnerstag für beträchtlichen Wirbel. Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) plant offenbar die Veröffentlichung einer kompletten Liste, allerdings erst an diesem Freitag. Zuvor wolle sie noch mit den Betroffenen reden.

Die Karriere von Horst Seehofer

Einzelkämpfer mit Machtinstinkt

  • Themen in diesem Artikel: