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Phänomen "Dirndl-Boom":Nett, sexy - aber ohne Tradition

Turnschuhe und Minidirndl - Modesünden auf dem Oktoberfest

Modesünden auf dem Oktoberfest: Der "Dirndl-Boom" kurbelt keineswegs Geschäft mit Trachten an

(Foto: dpa-tmn)

Die Wiesn steht vor der Tür, und in Franken erreicht die Kirchweih-Saison ihren Höhepunkt. Doch was haben Party-Dirndl aus China für 30 Euro eigentlich mit fränkischer Tracht zu tun?

Der Dirndl-Boom auf fränkischen Kirchweihen und dem Münchner Oktoberfest kurbelt nach Expertenansicht keineswegs den Absatz traditioneller Trachten an. Jene, die sich ein Dirndl zulegten, unterschieden sich stark von den Käufern der klassischen Tracht, sagte Trachtenschneiderin Monika Bürks der Nachrichtenagentur dpa anlässlich des traditionellen Trachtenmarktes am Wochenende im mittelfränkischen Greding (Landkreis Roth).

"Die jungen Leute sind nicht unbedingt traditionsbewusst", betonte die Trachtenexpertin. Sie sähen in den "Dirndln von der Stange" eine Art gefällig Partymode. Bürks Kundinnen hingegen legten Wert auf individuelle und langlebige Stücke für Hochzeiten oder Familienfeste.

Die Dirndl, die auf Kirchweihen oder auf dem Oktoberfest seit einigen Jahren gerne getragen werden, seien meist keiner bestimmten Region zuzuordnen. Vielmehr vereinigten sie Anleihen aus allen möglichen Gegenden, etwa Oberbayern, Schwaben, Franken und der Oberpfalz, erläuterte Bürks. "Die jungen Frauen möchten in ihren fantasievollen Dirndln vor allem nett und sexy aussehen und tragen sie nicht aus Traditionsbewusstsein."

Kosten bis zu 700 Euro

Für ein traditionelles Trachtengewand aus Bürks Schneiderei muss man je nach Material und Verzierung mit 500 bis 700 Euro rechnen. Die handgenähten Dirndl seien für Kirchweihen auch zu schade, gibt Bürks zu bedenken.

Die "Party-Dirndl" aus dem Kaufhaus, die meist in China hergestellt werden, sind inzwischen für weniger als 30 Euro zu haben. Der Fränkische Bund hält den "Dirndl-Boom" nur für eine Modeerscheinung, der sich über kurz oder lang totlaufen werde. "Spätestens wenn eine Fabrik in Pakistan abbrennt, in der Dirndl hergestellt werden", sagt Vorstandsmitglied Joachim Kalb.

Kalb hatte in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, dass mit den Dirndln Bekleidungstraditionen in Franken Einzug hielten, die mit der traditionellen fränkischen Bekleidung nichts gemein hätten. Wer sich traditionell kleiden wolle, solle eine fränkische Tracht anziehen.