Passionstheater Oberammergauer versteigert Schiff aus Wagner-Oper

Sieben Meter lang, vier Meter hoch. Wer immer schon ein Schiff im Garten haben wollte, gar den Fliegenden Holländer, dem bietet sich nun die Chance.

(Foto: Andreas Stückl/oh)

Der Dreimaster war für eine Inszenierung des "Fliegenden Holländers" gebaut worden. Josef Köpf wollte ihn retten - und nun für einen guten Zweck an den Mann bringen.

Von Christiane Lutz, Oberammergau

Auf Ebay kann man allerlei Nützliches ersteigern: Schneemänner, halbe 20-Euro-Scheine, italienische Alpendörfer, und auch ein Kaugummi von Jürgen Klopp wurde mal vertickt. Seit dem Wochenende wird auf Ebay auch ein Schiff zur Versteigerung angeboten. Das Geisterschiff eines rastlosen Kapitäns, der, zur ewigen Seefahrerei verflucht, seit Jahrhunderten die Weltmeere umsegelt. Selbstabholung. So weit, so normal für das Internet.

Besonders ist nun Folgendes: Das Schiff stammt aus der Produktion "Der Fliegende Holländer", die im Juli im Oberammergauer Passionstheater zu sehen war. Christian Stückl, Intendant, Regisseur und Oberammergauer, hatte die Wagner-Oper gemeinsam mit einem Laienchor und Profis inszeniert. Stefan Hageneier, der Bühnenbildner Stückls Vertrauens, schuf dafür ein sieben Meter langes, vier Meter hohes Schiff aus Holz, Gips und etwas Styropor. Sechs Vorstellungen lang wogte es auf der Drehbühne des Passionstheaters auf und ab, beeindruckend sah das aus.

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"Ich musste es retten", sagt Josef Köpf, 62, Auktionsherr. "Das Schiff wäre sonst zusammengeschnitten worden. Das wäre doch schade!" Schade vielleicht, aber Alltag am Theater und der Oper. Wenn eine Produktion abgespielt ist, landen Bühnenbilder in der Regel auf dem Schrott. Nur selten lassen sich Teile für neue Inszenierungen recyceln, die meisten Bühnen werden extra für eine Produktion gebaut.

Köpf ist Tierarzt in Oberammergau und begeisterter Passionstheatersänger. Bei den Passionsspielen hat er immer mitgemacht, war bei "Nabucco" und dieses Jahr beim "Fliegenden Holländer" dabei. Das Schiff aus dem Holländer, das hat er von Anfang an richtig großartig gefunden. Allerdings war es letztendlich nicht sein Faible für Recycling, die ihn auf die Idee mit Ebay brachte. Es war sein Sohn Florian, 27, der mit Mukoviszidose auf die Welt kam. Seitdem denkt Köpf ständig darüber nach, wie er dessen Leben und das von anderen Betroffenen besser machen kann.

Als damals die Diagnose kam, bekämpfte Köpf das Gefühl der Machtlosigkeit, indem er den Verein "Mukoviszidose Förderverein Oberland" gründete. Der soll betroffene Familien unterstützen und zusammen bringen. Sollte das Holländer-Schiff versteigert werden, kommt der komplette Gewinn dem Verein zu Gute. Eine Prognose, wie viel Geld das sein könnte, sein sollte, möchte Köpf nicht geben um nicht undankbar zu wirken, falls es weniger wird. Am Montagvormittag stand das Gebot bereits bei 1000 Euro.

Der Deal war schnell gemacht

"Der Stückl, der macht gar koa Schiff", erzählte man sich im Frühjahr in Oberammergau, als die ersten Handwerker für den Holländer zu arbeiten begannen. Köpf schlich regelmäßig an den Werkstätten vorbei und entdeckte ein paar Wochen vor der Premiere: "Es kommt ein Schiff! Ein Glück!" Offiziell gehört das Schiff dem Passionstheater und Bühnenbildner Hageneier, als geistigem Schöpfer. Nach der letzten Vorstellung aber war der Deal schnell geschlossen: Köpf bekommt das Schiff gegen eine Brotzeit für die Handwerker. Also steht das Riesending jetzt in Köpfs Garten.

Nur: Wer braucht ein sieben Meter langes Schiff, noch dazu eins, mit dem man selbst in seichtem Gewässer sofort kentern würde, weil es nicht schwimmt? Am Theater macht das nichts. Da muss nichts wirklich funktionieren - Hauptsache, es sieht so aus, als ob es funktioniert. Josef Köpf hat eine klare Zielgruppe im Visier: "Ein Wagnerianer. Vielleicht einer, der bald seinen 60. Geburtstag feiert und dessen Frau ihm zur Überraschung das Schiff als Party-Dekoration in den Garten stellt."

Über die Abholung des Schiffes würde er auch noch verhandeln. "Wenn es jemand aus der näheren Umgebung oder aus München ersteigert, würd' ich es ihm schon bringen", sagt er. Alle Selbstabholer können davon ausgehen: Das Holländer-Schiff passt auf einen handelsüblichen Schiffsanhänger. Und falls das Schiff niemand haben will, behält es Köpf erst mal. Und macht eine Bar draus.

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