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Festspiele in Passau:Europa fest im Blick

Pressefoto

Vermisst in den Weiten des Mittelmeers: Das Stück "Lampedusa Way" ist als deutsche Erstaufführung bei den Europäischen Wochen Passau zu sehen.

(Foto: Leda Terrana)
  • Die 67. Europäischen Wochen Passau haben begonnen.
  • Bis Ende Juli finden an mehr als 30 Spielorten in Bayern, Tschechien und Österreich 50 Konzerte, Theateraufführungen, Vorträge und Ausstellungen statt.

Mit einer Rückbesinnung auf ihre Kernidee haben die 67. Europäischen Wochen Passau begonnen. Nach den turbulenten Festspielen im vergangenen Jahr, als sich der Verein nach nur einer Spielzeit von Intendant Thomas E. Bauer trennte und mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, soll nun wieder "Europa im Blick" sein, wie das Motto lautet. Bis Ende Juli finden an mehr als 30 Spielorten in Bayern, Tschechien und Österreich 50 Konzerte, Theateraufführungen, Vorträge und Ausstellungen statt. Die künstlerische Leitung hat der Münchner Kulturmanager Carsten Gerhard, die finanzielle Steuerung liegt nach einer Satzungsänderung nun stärker beim Vereinsvorstand um Rosemarie Weber.

Kunstminister Bernd Sibler nannte die Festspiele zur Eröffnung am Freitagabend "das traditionsreichste und bedeutendste Musikfestival im südostbayerischen Raum". Weil die Spielorte in drei Ländern liegen, sei es "ein Leuchtturm, der über die Grenzen hinweg strahlt". Amerikanische Offiziere hatten die Festspiele 1952 initiiert - mit nicht nur kulturellen, sondern auch politischen Zielen. Sibler erinnerte daran, dass das Festival in Zeiten ideologischer Spaltung Europas gerade für Künstler aus Mittel- und Osteuropa eine erste Plattform im Westen bot.

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Passaus Landrat Franz Meyer verwies auf eine Botschaft der Festspiele. "Unser Europa ist eine Wertegemeinschaft mit kultureller Vielfalt. Dazu passt nicht nationale Einfalt." Oberbürgermeister Jürgen Dupper setzte das Loblied auf Europa fort. Europa habe es geschafft durch Kompromisse und Ausgleich Probleme zu lösen. "Die Europäischen Wochen sind eine der Hüterinnen dieses Erbes", sagte Dupper.

Als Festredner war der Kulturwissenschaftler, Religionswissenschaftler und Ägyptologe Jan Assmann nach Passau gekommen, der im vergangenen Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden ist. Europa sei auf einem vierfachen "Nie wieder" gebaut worden, sagte Assmann: "Nie wieder Krieg, nie wieder Diktatur, nie wieder vergessen, was getan wurde und nie wieder Missachtung der Menschenrechte. Und dazu gehört, nicht wegzuschauen, wenn Asylantenheime brennen, Menschen auf den Meeren ertrinken oder Flüchtlinge unter unmenschlichen Bedingungen in Lagerhaft genommen werden."

Seine Rede überschrieb er mit dem Titel "Europa und das kulturelle Gedächtnis". Den Begriff prägten Assmann und seine Frau Aleida. Zur Erklärung holte er weit aus: "Es beruht auf zwei ganz verschiedenen Fundamenten: Athen mit Kunst, Philosophie, Demokratie auf der einen, Jerusalem mit Glauben, Offenbarung, Monotheismus auf der anderen Seite."

Die Kirche war nur halb gefüllt

Jan Assmann plädierte für ein europäisches "Wir". Damit richtete er sich gegen Populisten, die es "auf die Zerstörung Europas" abgesehen hätten. Am geistigen Europa, dem Europa der Künste und Gelehrten gelte es festzuhalten. "Es ist nicht nur vom Ungeist der Populisten gefährdet, sondern auch von der ungezügelten Habgier des Neoliberalismus."

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von jungen Schülern der Musikschule Passau, die an einem von den Europäischen Wochen ausgerichteten Workshop in London teilgenommen haben. Dort übten sie gemeinsam mit Musikern der Academy of St. Martin in the Fields. In das anschließende Eröffnungskonzert in der Passauer Studienkirche schaffte es nicht die gesamte Festgemeinde. Die Kirche war nur halb gefüllt beim außergewöhnlichen Programm mit Werken von Jörg Widmann, Claude Debussy, Kaija Saariaho und Wolfgang Amadeus Mozart. Doch wer da war, wurde nicht enttäuscht: Die israelische Klarinettistin Sharon Kam und das französische Quatuor Modigliani begeisterten die Besucher.

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