Einkaufen zu Weihnachten Hauptsache billig und unverbindlich!

Viele Verbraucher bestellen Pakete in dem Wissen, dass sie die Ware ohnehin wieder zurückschicken.

(Foto: Marius Becker, dpa)

Nicht nur Laden-Händler leiden am Bestell-Hype im Internet, sondern auch Online-Shops. Das haben Augsburger Forscher herausgefunden.

Von Christian Rost

Es ist kein halbes Menschenleben her, als Weihnachtsgeschenke noch manuell besorgt wurden. Man ging in ein Kaufhaus, nahm vom Aushilfs-Weihnachtsmann, der eine drei Meter lange Glühweinfahne und einen verrutschten Kunstbart mit sich herumtrug, ein Gratisplätzchen entgegen und bahnte sich dann seinen Weg durch die Regalreihen. Mit etwas Glück fanden sich Präsente für all diejenigen, die irgendwie versorgt werden mussten.

Auch heute noch laufen die Leute in der Adventszeit in die Geschäfte, allerdings zunehmend nur noch, um sich über das Angebot zu informieren und die Sachen auszuprobieren. Geordert wird die Ware dann zuhause bequem am Computer im Online-Handel - zu einem günstigeren Preis.

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Michael Paul, Inhaber des Lehrstuhls für "Value Based Marketing" an der Universität Augsburg, und sein Team haben das Kaufverhalten der Deutschen untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht nur der klassische Einzelhandel unter dem Online-Hype leidet, sondern die digitalen Kaufhäuser gleichermaßen. "Gerade jetzt, kurz vor Weihnachten, kämpfen Laden- und Online-Händler mit zwei für sie problematischen Verbraucherverhaltensweisen: mit geplantem Showrooming und mit geplantem Retournieren", hat Paul festgestellt.

Knapp ein Drittel aller Verbraucher in Deutschland haben im Laufe eines Jahres mindestens einmal geplantes Showrooming betrieben oder auch geplant retourniert. Mit Showrooming ist gemeint, dass sich Verbraucher in einem Laden kostenlos über Produkte informieren, obwohl ihnen bereits vorher klar ist, dass sie wegen des niedrigeren Preises im Internet kaufen werden. Beim geplanten Retournieren, so die Co-Autorin der Studie, Janina Kleine, wüssten die Kunden bereits bei der Bestellung, dass sie die Produkte wieder zurücksenden. Dieses Verhalten werde befördert, weil Kunden ihre Online-Käufe häufig kostenlos zurückschicken könnten.

Dass es diese Phänomene gibt, ist nicht wirklich neu. Allerdings ist nun wissenschaftlich belegt, dass es den Verbrauchern wichtiger ist, möglichst billig einzukaufen, anstatt den Einzelhändlern ihren Obulus zu gönnen. Was womöglich zur Folge hat, dass deswegen der Aushilfs-Weihnachtsmann entlassen wird.

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