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Olympia-Bewerbung:Jetzt hilft nur noch reden und zuhören

Selbst Seehofers Besuch brachte nicht den Durchbruch: Jetzt muss sich der Ministerpräsident mit den Bauern in Garmisch zusammensetzen - und zwar rasch.

Die Zeit der politischen Beschwörungen ist ein für allemal vorbei. Das wenigstens sollte Ministerpräsident Horst Seehofer jetzt verstanden haben, nachdem er sich in Garmisch-Partenkirchen selbst davon hat überzeugen können, wie verfahren der Streit über die Bewerbung für die olympischen Winterspiele 2018 dort ist. Wenn die Garmisch-Partenkirchner etwas leid sind, dann die unzähligen Beschwörungen, die sie sich in den vergangenen Monaten haben anhören müssen.

Horst Seehofer

Ministerpräsident Seehofer zu Besuch in Garmisch: Der erhoffte Durchbruch bei den festgefahrenen Verhandlungen bei der Münchner Olympia-Bewerbung blieb aus.

(Foto: ap)

Das gilt für Seehofers vollmundige Ankündigung, er erwarte sich bis zur Kabinettssitzung den Durchbruch für die Bewerbung. Das gilt für Münchens OB Christian Ude und andere prominente Olympia-Fans, die den Werdenfelsern mit weltmännischer Geste gerne bedeuten, sie verstünden in ihrer engen Bergwelt die Chancen nicht, die Olympia 2018 ihnen und ihrem Ort eröffne.

Und das gilt auch für den Garmischer Bürgermeister Thomas Schmid, der nach wie vor verspricht, er werde die Grundstücke für die Winterspiele schon zusammenbekommen. Die Leute fragen sich schon, in welcher Welt Schmid eigentlich lebt. Die Zeiten, in denen Beschlüsse aus der Landeshauptstadt München eins zu eins umgesetzt wurden draußen im Land und die Leute allenfalls im Wirtshaus noch gestänkert haben, sind vorbei.

Wenn die Olympia-Bewerbung noch eine Chance haben soll, dann darf Seehofer nicht länger vorgeben, er nehme den Ärger der Garmisch-Partenkirchner ebenso ernst wie deren Sorgen. Seehofer muss sich vielmehr mit ihnen zusammensetzen, muss ihnen zuhören, wenn sie ihrem Herzen Luft machen. Das Wichtigste aber ist, dass er es rasch tut. Jeder Tag, den Seehofer und die anderen Befürworter von Olympia verstreichen lassen, wird die Garmischer in ihrer Überzeugung bestärken, dass die Staatsregierung sie genauso wenig ernst nimmt wie ihr eigener Bürgermeister. Und dann kann Bayern die Olympia-Bewerbung endgültig vergessen. Christian Sebald