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Oberfranken:Bürgermeister wegen Verdachts auf Untreue festgenommen

  • Wegen des Verdachts auf Untreue ist der Bürgermeister der oberfränkischen Gemeinde Zapfendorf vorläufig festgenommen worden.
  • Er soll nach einem Medienbericht 300 000 Euro abgezweigt haben und unter anderem in ausländische Unternehmen investiert haben.
  • Die Staatsanwaltschaft nimmt zu Summe und Hintergründen zunächst keine Stellung - bestätigt aber, dass man bei dem Politiker Flucht- oder Verdunkelungsgefahr gesehen habe.

Bürgermeister soll Geld veruntreut haben

Der Vater des festgenommen Bürgermeisters von Zapfendorf fühlt sich auch einen Tag danach noch wie im falschen Film. Er wisse von "überhaupt nichts" , nicht einmal, wo sich der Sohn zwischenzeitlich aufhalte.

Der Sohn, das ist der 37 Jahre alte CSU-Politiker Matthias S., er ist am Dienstag vorläufig festgenommen worden. Der Erste Bürgermeister von Zapfendorf steht im Verdacht, Geld aus der Gemeindekasse veruntreut zu haben. Womöglich im sechsstelligen Bereich und womöglich auch schon vor Antritt seiner Amtszeit.

S. gilt bislang als kleiner Stern unter den CSU-Kommunalpolitikern in Oberfranken. Bei der Wahl im März hatte es sich aus dem Stand gegen drei Mitbewerber durchgesetzt, was ihm nicht alle zugetraut hätten. S. aber ging mit guten Grundvoraussetzungen in diese Wahl, als Leiter des Bürgerbüros und stellvertretender Kassenverwalter der Gemeinde. Aber dann gleich ohne Stichwahl, das war schon außergewöhnlich.

Warum es zur Festnahme kam

Ungewöhnlich ist jetzt auch das, was dem 37-Jährigen widerfahren ist: Eine vorläufige Festnahme, dafür müssen schon triftige Gründe vorliegen. Für Gerhard Schmitt, den Leitenden Oberstaatsanwalt in Hof, liegen diese vor. In Hof ist die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Oberfranken beheimatet, deshalb sind die Hofer Ermittler für den Fall bei Bamberg zuständig. Für eine Festnahme müsse ein dringender Tatverdacht vorliegen, sagt Schmitt. Und Flucht- oder Verdunkelungsgefahr. Und beides habe man in diesem Fall als gegeben betrachtet. Deshalb die vorläufige Festnahme.

Was S. vorgeworfen wird

Wenn es zutrifft, was der in Bamberg erscheinende Fränkische Tag erfahren haben will, soll es so gewesen sein: S. soll über etliche Jahre hinweg, also bereits vor Dienstantritt als Bürgermeister, Geldbeträge aus der Gemeindekasse für sich verwendet haben. Ein mittlerer sechsstelliger Betrag stehe im Raum.

Angeblich habe er das Geld für eine Unternehmensbeteiligung im Ausland verwendet, die Rede ist von einer Fabrik in Mittelamerika. Oberstaatsanwalt Schmitt will am Tag nach der Festnahme nichts davon bestätigen. Da werde in der Gemeinde jetzt offenbar "viel getratscht", womöglich von Leuten, die "sich wichtig machen wollen". Man stehe aber erst ganz am Anfang der Ermittlungen. Es müssten nun zahlreiche Akten ausgewertet und Zahlungsvorgänge von Anfang bis Ende zurückverfolgt werden. Dafür benötige man Zeit.

Klaus Helmreich, leitender Angestellter in der Verwaltung der 5000-Einwohner-Gemeinde, reagiert am Tag ohne Ersten Bürgermeister genervt. Nein, er lese das jetzt nicht ab, er höre sich den Satz nur so oft sagen momentan: "Die Ermittlungen dauern an, die Gemeinde wird keine Erklärung abgeben", sagt Helmreich. Bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstag wolle man Stellung nehmen. Zuständig sei ausschließlich die Staatsanwaltschaft und die Rechtsaufsicht in Bamberg. Letztere sagt vorläufig auch nichts.