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Oberbayern: Vorwürfe gegen Betreuer:Missbrauch im Zeltlager

Mit kleinen Spielchen lockte er sie zu sich ins Zelt: Ein Kinderbetreuer soll während eines Ferienlagers eines Ingolstädter Sportvereins mindestens fünf Mädchen missbraucht haben. Gegen ihn erging Haftbefehl.

Ulrike Heidenreich

Ein Kinderbetreuer hat während eines Zeltlagers eines Ingolstädter Sportvereins mindestens fünf Mädchen im Alter zwischen acht und elf Jahren massiv sexuell missbraucht. Der 49-jährige Mann habe die Kinder mit inszenierten Spielchen zu sich ins Zelt gelockt, sie aufgefordert, sich auszuziehen, und zu sexuellen Handlungen genötigt, teilte die Polizei mit.

Vater einer Achtjährigen erstattete Anzeige

Das Zeltlager der Handball-Abteilung des ESV Ingolstadt hatte vergangene Woche von Montag bis Freitag am Weicheringer Weiher nahe Neuburg an der Donau stattgefunden. Der Vater eines betroffenen achtjährigen Kindes hatte am Sonntag Anzeige erstattet. "Seine Tochter hat sich ihm offenbart und berichtet, was sie im Zeltlager erlebt hatte", sagte Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord.

Der Verdächtige, ein Familienvater aus dem Landkreis Pfaffenhofen, wurde am Montag in seiner Wohnung festgenommen. In einer ersten Vernehmung räumte er die sexuellen Übergriffe ein und legte ein Teilgeständnis ab. Das Amtsgericht Neuburg an der Donau erließ nach Angaben der Polizei Ingolstadt inzwischen Haftbefehl.

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt beantragte Haftbefehl wegen sexuellen Missbrauchs und sexueller Nötigung. Der Beschuldigte wurde am Dienstag dem Haftrichter in Neuburg an der Donau vorgeführt und bleibt in Untersuchungshaft.

Die Kripo Ingolstadt hat bislang vier weitere missbrauchte Mädchen im Alter von neun bis elf Jahren ermittelt, die ebenfalls an dem ESV-Lager teilgenommen hatten. Insgesamt hatten am Weicheringer Weiher 30 Buben und Mädchen im Alter von acht bis elf Jahren gezeltet, neben dem Beschuldigten waren weitere Betreuer bei dem Ausflug der Handballabteilung dabei. "Wir schließen nicht aus, dass möglicherweise noch mehr Kinder sexuell belästigt wurden", sagte Kammerer.

Der Verdächtige sei schon seit längerer Zeit im Sportverein integriert gewesen. Auf einen genauen Zeitraum wollte sich der Polizeisprecher nicht festlegen. Es ist aber davon auszugehen, dass der 49-Jährige auch in den vergangenen Jahren mehrere Zeltlager beaufsichtigt hatte. "Wir stehen am Anfang der Ermittlungen. Wir werden nun auch frühere Zeltlager des Sportvereins überprüfen, bei denen der Mann als Betreuer im Einsatz war", sagte Kammerer.

"Er hat das Vertrauen der Kinder massiv missbraucht"

Unklar ist auch, warum mehrere Betreuerkollegen, die zum Zeltlager an den Weiher mitgefahren waren, offenbar nichts von den sexuellen Übergriffen auf die Mädchen mitbekommen hatten. Es werde nun außerdem geprüft, ob die Sozialkontrolle der Vereinsmitglieder versagt habe. Bislang war der verhaftete Betreuer polizeilich nicht in Erscheinung getreten. Kammerer sagte: "Er hat das Vertrauen der Kinder massiv missbraucht."

Auch der in der vergangenen Woche nach öffentlicher Fahndung in Sonthofen gefasste Kinderschänder Christoph G. aus Mayen (Rheinland-Pfalz) hatte seine Opfer in einem Sportverein gefunden, wo er als Übungsleiter tätig war. Der Vereinsvorsitzende hatte am Wochenende kritisiert, dass er nicht von den Behörden über Ermittlungen gegen den Mann im Jahr 2006 wegen Kinderpornographie informiert worden war.

© SZ vom 12.08.2009/dmo

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