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Nominierung als Spitzenkandidat verschoben:Seehofer lässt Ude zappeln

Eigentlich wollte sich Horst Seehofer im Oktober beim CSU-Parteitag als Spitzenkandidat für die bayerische Landtagswahl ausrufen lassen. Doch plötzlich zögert der Ministerpräsident die Entscheidung heraus. Ein Grund dafür heißt Christian Ude.

CSU-Chef Horst Seehofer zögert seine Nominierung als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2013 hinaus. Anders als bisher geplant, will er sich nicht bereits auf dem Parteitag im Oktober von den Delegierten küren lassen, sondern erst 2013, "noch rechtzeitig" vor der Wahl im Herbst, wie Seehofer sagte.

CSU-Vorstandssitzung

Horst Seehofer zögert seine Nominierung als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2013 noch etwas heraus.

(Foto: dpa)

Er begründete diesen überraschenden Schritt damit, nicht ein ganzes Jahr lang Wahlkampf machen zu wollen. Für gewöhnlich beginne mit der Nominierung die Wahlkampfphase. "Mir ist das zu früh", sagte Seehofer nach der Sitzung des Vorstandes.

An seinen persönlichen Beweggründen habe sich nichts geändert, versicherte der 63-Jährige. Der CSU-Chef hatte bisher immer zu erkennen gegeben, dass er zur Wahl 2013 wieder antreten wolle, sich jedoch vorbehalten, die endgültige Entscheidung darüber jetzt im Sommer zu treffen. Dabei bleibe es. Im September würde er die Parteigremien informieren.

Am Montag erklärte Seehofer, die Spitzenkandidatur könne man nur mit brennendem Herzen übernehmen. Auf Nachfrage sagte Seehofer hierzu: "Mein Herz brennt." An manchen Tagen wäre er gerne Generalsekretär - derart große Lust mache ihm die Politik. Generalsekretäre langen in der politischen Auseinandersetzung immer besonders hin.

Am Mittwoch geht Seehofer in den Sommerurlaub. Er macht Ferien im Altmühltal. Auf der Terrasse seines Ferienhauses wolle er "bei Rotwein, beim Anblick von Rehen und Wildschweinen und Wald und Wiesen" nachdenken. "Man bindet sich für fünf Jahre an eine Aufgabe, die man voll auszufüllen hat", erklärte Seehofer. "Ich weiß um meine Verantwortung." Er werde sich einem Gesundheitscheck unterziehen und mit seiner Familie beraten.

In der Partei ist Seehofer unangefochten. Als aussichtsreicher Nachfolger wird derzeit lediglich Markus Söder gehandelt, der Finanzminister - jedoch nicht schon für das Jahr 2013. Er brauche noch Zeit, heißt es aus der Partei. Seehofer will die Verschiebung seiner Nominierung als Zeichen der Stärke verstanden wissen. "Ich muss mich jetzt nicht durch eine möglichst frühe Bestellung absichern", erklärte der Vorsitzende.

Teils schwache Umfragewerte von nur etwa 44 Prozent für die CSU haben zuletzt für Verunsicherung gesorgt. Ein solches Ergebnis würde bedeuten, dass die CSU seit der desaströsen Landtagswahl 2008 unter Seehofer kaum Boden gut gemacht hätte. Nun verzichtet Seehofer darauf, seinen Parteifreunden jetzt schon ein Votum für sich abzuverlangen.

Seehofer dürfte noch weitere Motive für die Terminverschiebung haben. Ausgerechnet an dem Oktoberwochenende, an dem sich die CSU zum Parteitag trifft, wollen die Sozialdemokraten ihren Spitzenkandidaten küren: Christian Ude. Das Wochenende würde von den Medien als Beginn des großen Seehofer-Ude-Duells inszeniert werden.

Dies umgeht Seehofer nun. Er sagt, er werde sich nicht vom "hyperaktiven und nervösen" Politikbetrieb anstecken lassen. Zudem hat Seehofer von Ude gelernt, welche Probleme es bereitet, zu früh in die Rolle des Spitzenkandidaten zu schlüpfen. Ude firmiert seit vergangenen Sommer als Seehofer-Herausforderer, hat aber den Anfangsschwung nicht aufrechterhalten können. Seehofer sagte am Montag: "Die Höchststimmung zum falschen Zeitpunkt hat überhaupt keinen Wert."