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Neue Technologie:Justin kann helfen

Das Reichen eines Getränks ist eine typische Roboterfähigkeit.

(Foto: DLR)

Assistenzroboter sollen Pflegebedürftige im Alltag unterstützen

Von Dietrich Mittler

Justin ist es gleichgültig, wo er gerade arbeitet. Ob nun in einem Raumschiff, auf dem Mars oder in einem bayerischen Altenheim, das ist ihm doch wurscht. Sein Kollege Edan macht sich auch keinen Kopf - kann er auch gar nicht. Edan besteht quasi nur aus einem Arm und einer Fünffingerhand, fixiert auf einem Rollstuhl mit Elektroantrieb. Keiner sollte aber sagen, Edan sei doof. Wie seine Entwickler vom Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sagen, "nutzt der Roboter sein Wissen über die Welt, um die Intention des Anwenders vorherzusagen und die Ausführung der Aufgabe entsprechend zu unterstützen". Etwa ein Wasserglas sicher an einen Mund zu führen.

An diesem Dienstag werden Edan und Justin im Garmisch-Partenkirchener Kongresshaus einem breiten Publikum vorgestellt - als zwei Assistenzroboter, die pflegebedürftige Personen und Menschen mit Behinderungen im Alltag unterstützen sollen. "Wir machen gerne die Türen auf für neue Technologien, wenn sie den uns anvertrauten Menschen helfen, unsere Pflegekräfte entlasten und ethisch vertretbar sind", sagte am Montag Georg Falterbaum, der Direktor des Diözesancaritasverbandes der Erzdiözese München und Freising. Dabei stehe eines fest: "Kein digitaler Assistent kann die menschliche Zuwendung durch unsere Pflegekräfte ersetzen."

Gleichwohl könnten robotische Systeme die Fachkräfte in der Pflege in vielen Bereichen unterstützen, sagte Falterbaum. In der Folge lag es nahe, dass Pflege- und Bildungsexperten des Caritasverbands für München und Oberbayern gemeinsam mit den Oberpfaffenhofener DLR-Technologieexperten darangingen, etwas zu entwickeln, was sie "Servicerobotik für Menschen in Lebenssituationen mit Einschränkungen" nennen. Während Justin und Edan am Montag dem anstehenden Tag der offenen Tür cool entgegenblickten, war bei den Entwicklern doch ein gewisses Prickeln nicht zu leugnen. Wie werden Normalbürger auf die Roboter reagieren? Denn obwohl Justin nur auf einem Bildschirm erscheint, fragt man sich doch: Ihm unerwartet auf einem Gang zu begegnen, das könnte Senioren ebenso sehr in Wallung versetzen wie einst das Hörspiel "Krieg der Welten", in dem Wesen vom Mars in dreibeinigen Kampfmaschinen die Menschheit angreifen. Justin ruht hier zwar friedlich auf einer Plattform in Oberpfaffenhofen, aber kann man diesen Augen trauen? In Justins Fall handelt es sich da um zwei Kamera-Objektive.

Alin Albu-Schäffer, der Direktor des Instituts für Robotik und Mechatronik, sieht die Roboter dennoch auf einem guten Weg. Alte Menschen wollten länger ein selbständiges Leben in ihrer eigenen Wohnung führen, ist er sich sicher. Und: "Viele von ihnen möchten keine ständige Hilfs- oder Pflegekraft beschäftigen", betonte Albu-Schäffer. "Oder sie können sich diese finanziell gar nicht leisten."

© SZ vom 08.05.2018
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