Nachruf Marietheres List ist gestorben

Marietheres List prägte das Theater Regensburg von 1988 bis 2002 maßgeblich. Sie war die erste Intendantin eines Dreispartenhauses in Deutschland.

(Foto: Uwe Moosburger)

Von Christiane Lutz, Regensburg

Eine Frau als Intendantin eines großen Theaters, das ist in Deutschland noch immer die Ausnahme. Über Kunst entscheiden vor allem Männer. Eine, die darauf gar keine Lust hatte, war Marietheres List. Sie übernahm 1988 die Leitung des Theaters Regensburg und war somit die erste Intendantin eines deutschen Dreispartenhauses. Am 20. Februar ist Marietheres List im Alter von 72 Jahren gestorben.

List, geboren in München, war Tochter von Herbert List, Betriebsdirektor der Bayerischen Staatsoper, und Gertrud List, Opernsängerin. Für eine eigene Karriere auf der Bühne habe das Talent nicht gereicht, sagte sie selbst. Ein Gespür für Kunst bewies sie dann eben als Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros, zum Beispiel in Graz und Stuttgart. In Regensburg forderte sie 14 Jahre lang das Publikum mit anspruchsvollem Theater und entwickelte die Ballettsparte des Hauses entscheidend weiter. Und sie verfügte über gute Menschenkenntnis: Marietheres List entdeckte Josef E. Köpplinger, heute Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters. 1988 fing der junge Köpplinger bei ihr als Regieassistent an. Streng sei sie gewesen, aber nie herzlos, sagt Köpplinger, eine Grande Dame genauso wie ein guter Kumpel. Sie lehrte Köpplinger die Kunst und den organisatorischen Wahnsinn des Theaters. "Dafür habe ich sie sehr verehrt." Sie ermutigte ihn auch zu seiner ersten eigenen Inszenierung, "Vom dicken Schwein, das dünn werden wollte", eine Revue von Jérôme Savary.

Das Theater Regensburg zeigt sich betroffen von dem Verlust der Künstlerin. Intendant Jens Neundorff von Enzberg nennt List eine "theaterbegeisterte und lebensfrohe Frau", die viel für das Haus getan habe. Josef E. Köpplinger sagt: "Sie ist meine Theatermutter. Ich vermisse sie und werde sie lang vermissen."